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Kirche in WDR 4 | 28.07.2021 | 08:55 Uhr

Danke für´s Danken

Guten Morgen,

als unsere Kinder noch klein waren, haben wir sie abends gefragt: Wofür wollt ihr heute Danke sagen? Kindern fällt immer etwas ein: Sie haben Eis gegessen, eine Freundin ist zum Spielen gekommen, Opa geht es wieder besser und dem Kaninchen auch.

Mir ist Dankbarkeit wichtig. Nicht nur als spontanes Gefühl, sondern als Tugend. Aber mit dieser Tugend ist es wie mit dem Fahrradfahren oder mit einer Fremdsprache: Du musst sie praktizieren, sonst verkümmert sie. Dankbarkeitsforscher:innen haben dafür sogar eine Dank-App erfunden. Da schreibst du täglich rein, für was Du dankbar bist. Mittlerweile hat auch die Schulmedizin festgestellt, dass Dankbarkeit das Wohlbefinden und die Gesundheit fördert. Sie unterstützt bei Ängsten und Herzschwäche und hilft mit, vor Depressionen und Suchterkrankungen zu schützen. Und beim Einschlafen hilft sie auch. Denn Gefühle wie Angst, Neid und Wut können schwer neben Dankbarkeit existieren. Es ist nahezu unmöglich, gleichzeitig frustriert und dankbar zu sein.

Gründe genug zum Danken.

Aber kann man Dankbarkeit verordnen wie eine Medizin? Menschen zwingen, sich zu bedanken? Ich mochte das als Kind gar nicht. Vor allem nicht, wenn ich einem fremden Menschen die Hand geben und Danke sagen sollte. Dann fühlte ich mich klein und ausgeliefert. Heute würde ich sagen: Ich habe das Machtgefälle gespürt, das mit dem Danken einhergeht. Beim Danken sind ja die Rollen klar verteilt: Es gibt jemanden, der gibt und jemanden, der empfängt. Und manche lassen uns eben dieses Gefälle unangenehm merken.

 

Ganz anders ist das in der ostafrikanischen Sprache Kiswahili: Wenn ich mich bedanke, sage ich in Kiswahili „Asante“ - Danke! oder auch „Asante sana“ - Danke sehr!. Während man im Deutschen darauf „bitte“ sagen würde oder „da nich für“, sagt man in Kiswahili „Asante kushukuru“: Danke für’s Danken. Damit wird ein Kreislauf in Gang gesetzt. Es könnte unendlich so weiter gehen. Danke für’s Danken fürs Danken und so weiter. Wie beim Ping Pong ist das.

Hier gibt es kein Machtgefälle. Ich gebe meinen Dank und die andere dankt mir fürs Danken. Hier sind alle immerzu gleichzeitig Empfangende und Gebende. Wenn ich also jemandem helfe, weiß ich, dass ich im nächsten Moment diejenige sein kann, die Hilfe braucht. „Asante kushukuru“ sagt: Wir sind aufeinander angewiesen. Du jetzt auf mich, ich bald auf dich. Heute sagst du Danke, morgen ich.

 

Und wie ist es mit Gott? Danket dem Herrn! Heißt es in der Bibel viele Male. Für alle Religionen ist der Dank an Gott eine heilige Pflicht. Ob Gott unseren Dank schätzt? Jeden Dank? Immerhin macht Gott in der Geschichte von Kain und Abel Unterschiede: Das Dankopfer von Abel sieht er gnädig an, aber das Dankopfer von Kain fällt bei ihm durch.

Und sagt Gott, wenn ich mich bei ihm bedanke „bitte schön“? Oder sagt er „Asante kushukuru“, Danke für’s Danken? Das wär´ doch was. Gott freut sich über meinen Dank. Jeder Dank von uns wäre für Gott eine Motivation, uns weiter Gutes zu tun. Das wäre wie in einer echten Beziehung. Mich rührt diese Vorstellung - so wie abends mit meinen Kindern zusammenzusitzen und zu hören, was ihnen alles zum Danken einfällt.

 

Es grüßt Sie, Pfarrerin Christel Weber aus Bielefeld.


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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