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Hörmal | 08.09.2019 | 07:45 Uhr

Der ganz Andere

O-Ton Kaiser Wilhelm II. : „ An das deutsche Volk! [...] auf zu den Waffen! [...] Vorwärts mit Gott, der mit uns sein wird, wie er mit den Vätern war." 

Autor: Gott ist mit den Deutschen. Davon war Kaiser Wilhelm der II. überzeugt, als er seine Truppen 1914 auf die Schlachtfelder des 1. Weltkriegs schickte. Und so stand es auch auf den Koppelschlössern der Soldaten: "Gott mit uns". 

Ein fataler Irrtum. 1918 musste Deutschland kapitulieren. Nichts war gewonnen, stattdessen Millionen Menschenleben verloren. Verloren hatte auch der Glaube an Gott. Erst die Niederlage, dann der Hungerwinter und 1919 dann die Tod bringende "Spanische Grippe" - Deutschland schien im Chaos zu versinken. Wer konnte in dieser Zeit das Vertrauen auf Gott wiederherstellen? Vielleicht nur jemand, der wusste, was Krieg und Chaos bedeuten, der aber aus einem völlig unbeteiligten Land kam. Jemand wie der Schweizer Pfarrer Karl Barth.

Christen aus Deutschland hatten ihn für den 25. September 1919 nach Tambach in Thüringen eingeladen. Als Ersatz für einen Redner, der kurzfristig abgesagt hatte. Und so arbeitete Karl Barth heute vor genau einhundert Jahren in „ununterbrochener Tag- und Nachtschicht“ (1) an seinem Vortrag. Die Überschrift lautete: „Der Christ in der Gesellschaft“ (2).

Das „Gott mit uns“ der Soldaten hatte ausgedient. Aber wie sollte der Glaube nun gelebt werden? Christlich-sozial, evangelisch-pazifistisch oder religiös-liberal? - Karl Barth erteilte alldem eine Absage. Gott dürfe nicht mit einem Bindestrich zu einem Anhängsel menschlicher Prinzipien gemacht werden, und seien sie noch so ehrenvoll. Barth sagte: Gott ist der „ganz Andere“. Er kommt „senkrecht von oben“ auf uns zu. Ein Christ „kann nur aufmerksam dem Tun Gottes folgen“.

Ich verstehe das so: Gott lässt sich nicht vereinnahmen. Er lässt sich vor keinen Karren spannen. Ich kann ihm keine Vorschriften machen. Eigentlich eine ganz einfache Wahrheit. Karl Barth hat sie vor hundert Jahren ausgesprochen, und damit unzähligen Menschen das Vertrauen auf Gott zurückgegeben.

Ab 1933 steckte man in Deutschland wieder junge Menschen in Uniformen. Und wieder stand „Gott mit uns“ auf den Gürtelschnallen, diesmal versehen mit einem Hakenkreuz. Dieses Symbol sollte bald alles überschatten. Der Einzelne war nicht mehr wichtig. Und an der Spitze des Staates inszenierte sich Adolf Hitler als "Führer", den die "Vorsehung" dazu auserwählt hatte, Deutschland zu retten. Nur wenige erhoben dagegen ihre Stimme. Karl Barth war einer von ihnen. Zusammen mit anderen Theologen verfasste er 1934 die Barmer Theologische Erklärung. Mit ihr wandten sich die Christen der Bekennenden Kirche gegen das NS-Regime und stellten klar:

Sprecher/in: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen.“ (3)

Autor: Den 2. Weltkrieg konnte die Barmer Theologische Erklärung nicht verhindern. Aber sie war ein starkes Zeichen in dunkler Zeit. Und sie ist heute noch Fundament und Orientierung für die evangelische Kirche und ihre Gemeinden. Danke, Karl Barth.

 

Quellen:

(1) Eberhard Busch, Karl Barth’s Lebenslauf. München, 3. Auflage 1978. Seite 122.

(2) Karl Barth, Der Christ in der Gesellschaft, 1919. https://www.karl-barth-jahr.eu/daten/File/Ringvorlesungen/190225_Barth%201919%20Der%20Christ%20in%20der%20Gesellschaft.pdf (abgerufen 18.7.2019)

(3) Barmer Theologische Erklärung, V. These. https://www.ekd.de/Barmer-Theologische-Erklarung-Thesen-11296.htm (abgerufen 18.7.2019)

 

Redaktion: Manfred Rütten

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