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Kirche in WDR 5 | 11.04.2020 | 06:55 Uhr

Der Himmel voraus

Autorin: Guten Morgen!


Es ist noch früh. Die Kirche leer. Müde lasse ich mich auf eine Bank fallen. Das Knarzen des alten Holzes erfüllt den ganzen Raum. Ich schließe die Augen. Falte die Hände. Warte. Ins Knarzen der Kirchenbank hinein mischen sich die Schreie der Turmfalken. Ich zucke zusammen, als eine Münze in die Stille hineinkracht: Jemand zündet eine Kerze an. Betet, bittet. – So wie ich.


Meine Kirche ist der Altenberger Dom. Für mich ist er ein Sehnsuchts- und Zufluchtsort. Ich komme her, wenn ich das Gefühl habe, dass mir der Himmel auf den Kopf fällt, mein Horizont eng wird. Aber auch, wenn mein Leben Lachen und Vogelflug ist. Wenn mein Herz sich freut.


Claudia Posche ist hier Pfarrerin und weiß, warum ich mich in dieser Kirche getröstet fühle, emporgezogen aus meinem Sorgensumpf.


O-Ton 1 Pfarrerin Claudia Posche: „In einer gotischen Kirche ist nichts zufällig. Die Erbauer haben sich damals vorgestellt, sie bringen die ganze Schöpfung, das ganze Universum in der Kirche unter. Also nicht nur Tiere, sondern auch Pflanzen kann man im Altenberger Dom schön sehen an den Säulenkapitellen. Und das Ganze ist ein Haus aus Licht. Also die großen Fenster ziehen den Blick nach oben; ...“


Autorin: Hohe gotische Spitzbögen. Sanft fließendes Licht. Das ganze Grün der Schöpfung ist an den Verzierungen der Säulen und in den Fenstern verborgen. Jeden Morgen wird es von der Sonne geweckt. Dazu zwitschernde Vögel und Glockenläuten. Später am Tag wechselt die Stimmung. Wenn die Sonne durch das große Westfenster tanzt, ist der ganze Raum in Gold getaucht. Liebevoll fließen die Sonnenstrahlen aus dem Himmel herab über die Säulen und mein Gesicht. Die Flattrigkeit des Morgens wird zur Entspanntheit des Nachmittags und ich bekomme eine Ahnung davon, wie es wohl ist, im Himmel zu sein.


O-Ton 2 Pfarrerin Claudia Posche: „Wenn man in den Altenberger Dom kommt, dann guckt man auf das große Kreuz mit dem leidenden Christus. Schon in dieser Leidensdarstellung ist die Hoffnung auf Auferstehung vorweggenommen, denn das Lendentuch, also das Tuch, das Christus um die Hüfte gewickelt hat, das ist nicht weiß, wie man annehmen könnte, sondern golden, hat also schon die Farbe der Auferstehung. Und dann dreht man sich um und guckt in dieses riesige Fenster über dem Portal mit der Abbildung des himmlischen Jerusalem, mit Engeln und Heiligen und kleinen Balkonen und Türmchen.“


Autorin: In diesen Tagen ist viel abgesagt. Gottesbegegnungen sind es nicht. Im Gegenteil. Ich glaube: Gottesbegegnungen sind voll angesagt. Jedenfalls bei mir. Und zuhause, da geht das nicht so gut. Zuhause, da kreisen meine Gedanken: Passe ich gut auf meine Lieben auf? Habe ich Worte, die trösten und ermutigen, diese besondere Zeit durchzustehen?


O-Ton 4 Pfarrerin Claudia Posche: „Wenn ich in den Dom komme und hab das Kreuz im Blick, dann weiß ich aber, ich hab‘ den Himmel im Rücken. Und wenn ich am Altar stehe, mit dem Kreuz hinter mir, das Kreuz, dass mich ja nicht nur an Vergänglichkeit erinnert, sondern dass mich auch stabilisiert und kräftigt, dann blicke ich in den Himmel, heißt: Nach dem Kreuz kommt der helle Ostermorgen. Karfreitag ist eben nicht unendlich.“


Autorin: Morgen, an Ostern, wird es heißen: „Halleluja! Gott, der Herr, ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“, das glaube ich. Und wie gut wird das tun, dieses Halleluja in die Einsamkeit, ins Alleinsein hinein zu rufen.


Dass Sie spüren, dass das Kreuz auf Ihren Schultern leichter wird mit dem Blick das helle Licht des Ostermorgens, das wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Julia-Rebecca Riedel aus Odenthal.




Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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