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Kirche in WDR 5 | 24.11.2020 | 06:55 Uhr

Der Igel und die Jungfrauen

Letztes Jahr im Hochsommer saß ich einmal am späten Abend auf der Terrasse und ruhte mich nach einem langen Wandertag aus. Es war schon dunkel geworden und die Siedlung, in der wir wohnen, war mucksmäuschenstill. Plötzlich: Ein Rascheln im Garten nebenan, als ob da jemand über den Rasen läuft. Und dann höre ich Flüssigkeit austreten. Ein Wildpinkler? Ich will mich schon empört zu Wort melden, daß die Hecke keine Bedürfnisanstalt für Passanten ist – da raschelt es wieder und ich denke mir: War wohl ein Tier, das da seine Notdurft verrichtet hat.

Einen Sommer später, also in diesem Jahr dann sitze ich mit meiner Frau auf der Terrasse und wir genießen den späten Abend. Irgendwann raschelt es wieder in der Hecke und wenige Minuten später huscht  etwas im Dunkeln auf unsere Terrasse und bleibt stehen. Ertappt: Es ist ein Igel, der nachts auf Nahrungssuche auch durch unseren Garten streunt. Nach kurzem Innehalten auf den Terrassenplatten flitzt er zurück in den Garten und ist aus der Dunkelheit nur noch durch sein Geraschel in den Büschen zu hören.

Nun ist der Mensch ja bekanntlich das neugierigste aller Tiere. Und so setzte ich mich seit jener Sommernacht häufig abends auf unsere Terrasse, wenn die Sonne untergegangen war. Auf dem Tisch stand dann eine brennende Lampe, die mir etwas Licht spendete. Aber meist kam der Igel gar nicht, wenn ich auf ihn wartete. Er kam dann, wenn ich gar nicht mit ihm rechnete – ein Überraschungsgast also.

Und so hat mich der Igel in unserem Garten ausgerechnet an die Jungfrauen aus der Bibel erinnert, von denen Jesus in einem Gleichnis sprach. Da spricht Jesus von seiner  Wiederkunft am Ende der Zeiten und mahnt zum Wachsam-Sein. Jesus erzählt von den zehn klugen und törichten Jungfrauen, die mit brennenden Lampen dem Bräutigam entgegengehen sollten. Auch der kam, als niemand mit ihm rechnete und alle Jungfrauen bereits eingeschlafen waren.

Nun ist ein Igel kein Messias und ich bin auch nicht auf der Terrasse eingeschlafen, sondern nach einer Weile wieder ins Haus gegangen. Aber ich glaube schon, daß der Aufruf Jesu zur Wachsamkeit auch heute noch gilt. Wer meint, wenn er nur viel betet, in den Gottesdienst geht und sonst auch ein frommer Mensch ist, könne er Jesus nicht verpassen, der hat ihn vielleicht schon verpaßt – ähnlich wie die Pharisäer und Schriftgelehrten, die vor 2000 Jahren mit Jesus gestritten haben.

„Seid also wachsam! Denn ihr wißt weder den Tag noch die Stunde“, sagt Jesus im Matthäusevangelium zu seinen Jüngern.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und mir diese Wachsamkeit für die Zeichen der Zeit. Ihr Jan Hendrik Stens aus Köln.

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