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Kirche in WDR 4 | 03.12.2019 | 08:55 Uhr

Die Tage, die ich mit Gott verbrachte

Guten Morgen!

Beinahe wäre er von der ganzen Welt erschlagen worden, an dem Tag, als der Glasglobus aus einem Fenster fiel. Um ein Haar hätte der ihn getroffen, hätte ihn nicht der ältere Herr im letzten Moment von der Parkbank geschubst. Von da an begegnet er dem Herrn mit den weißen Haaren und dem grauen Mantel immer öfter. Der Autor Axel Hacke hat diese Geschichte geschrieben in seinem Buch „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“. (1) Der Ich-Erzähler in der Geschichte, ein Schriftsteller, streift von dem Erlebnis auf der Parkbank an mit dem älteren Herrn durch München. Und dieser ältere Herr gibt sich irgendwann als Gott zu erkennen. Der Schriftsteller erlebt fantastische Dinge mit Gott. Für ihn zieht Gott an Hauswänden Schubladen auf, die vorher nicht da waren und in denen sich Welten verstecken, von denen niemand eine Ahnung hatte. Er lässt die steinernen Löwen vor der Feldherrnhalle durch Reifen springen und dirigiert kleine Regenwolken am Himmel. Die beiden führen viele Gespräche über die Schöpfung, über Gott und die Welt. Dabei ist Gott oft sehr melancholisch, denn er macht sich Gedanken über sein Lebenswerk. Die Schöpfung ist bei Weitem nicht so vollkommen, wie er sie erdacht hatte. Vor allem macht ihm die Gleichgültigkeit zu schaffen, die er findet, das große Egal, das das Leben bestimmt. Das macht ihn traurig, denn es ist sein Werk, bei dem manches schiefgegangen ist. Deshalb sucht Gott Trost bei den Menschen, nicht umgekehrt. Axel Hacke tauscht hier die Rollen. "Solche Umdrehungen mag ich sehr", sagt er, "der Effekt dieser Umdrehung ist, dass die Welt einmal auf links gedreht wird, und man in der Lage ist, die Dinge neu zu sehen. Darum geht es mir, einfach mal einen anderen Blick auf das eigene Leben und die Welt zu bekommen und daraus seine eigenen Schlüsse zu ziehen“. (2)

 

Mich hat das Buch amüsiert und nachdenklich gemacht. Gott kommt auf die Erde. Er setzt sich auseinander mit dem Leben und findet Trost da, wo Beziehungen gelingen und wo Menschen das Leben in die Hand nehmen. Denn – so sagt Gott in Axel Hackes Buch: „Jeder von euch ist nur ein Moment des Lebens,…, jeder hat nur diesen Moment, also schnapp ihn dir! Nimm es nicht einfach hin, das Leben, … tu damit, was du kannst und was du willst.“ (3).

 

Schon lange bevor Axel Hacke die Geschichte von dem Schriftsteller und Gott erzählt hat, schon vor zweitausend Jahren ist Gott auf die Erde gekommen. Damals als ein kleines Kind in der Krippe. Auch ganz anders als gedacht. Nicht als der erwartete König, sondern hilflos und klein. Das ist der Grund, warum Christen Advent und Weihnachten feiern.

Ich bin ganz sicher: Auch heute kommt Gott. Auf der Suche nach Menschen, die offen sind für unvorhergesehene Begegnungen, für unverhoffte Situationen, für nie für möglich gehaltene Erkenntnisse. Da wo ich lebe und arbeite, kann ich mit ihm ins Gespräch kommen. Und da tun sich immer wieder überraschende Welten auf.

Ihre Pfarrerin Annette Krüger aus Witten.

 

(1) Axel Hacke, Die Tage, die ich mit Gott verbrachte, München 2016, Verlag Antje Kunstmann.

(2) https://www.domradio.de/radio/sendungen/autorengespraech/axel-hacke-ueber-die-tage-die-ich-mit-gott-verbrachte
(letzter Abruf am 16.11.2019)

(3) Axel Hacke, Die Tage, die ich mit Gott verbrachte, München 2016, Verlag Antje Kunstmann, S. 67.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze


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