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Kirche in WDR 3 | 30.08.2019 | 07:50 Uhr

Drinkeldodenkarkhof

Guten Morgen.
Drinkeldodenkarkhof. Was für ein Zungenbrecher, denke ich. Das Wort springt mich vom Wegesrand an, als ich auf der Insel Spiekeroog zum Strand gehe. Da liegt der Drinkeldodenkarkhof. Auf dem idyllischen Platz steht ein Kreuz, an dessen Fuß ein Anker ruht. Auf einer Tafel steht: „Jesus Christus spricht: `Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe.` Bei Gott ist das Leid nie das Letzte.“

Schön gesagt, allein es fehlt mir der Glaube an diese Worte, wenn ich lese, was für ein Drama sich hier 1854 ereignet hat. Das lustige fremde Wort Drinkeldodenkarkhof offenbart seine todernste Bedeutung. Hier ist der Friedhof für die Ertrunkenen der Johanne. Das Segelschiff Johanne, 30 Meter lang und fünfeinhalb Meter breit, trug 229 Menschen an Bord. Ein Luxusliner also gewiss nicht. Die Vollmers und die Friedrichs aus Kaufungen hatten mühsam Geld zusammengekratzt, um an Bord mit Richtung auf New York gehen zu können. 215.000 Deutsche wanderten 1854 in New York ein. Dort angekommen, blieben die deutschen Einwanderer am liebsten unter sich: Sie bauten sich ihre eigenen Kirchen, kauften in deutschen Geschäften, lebten in deutschen Vereinen, gingen in deutsche Theater, trugen deutsche Trachten, kochten deutsches Essen und setzten sich gern in den Biergarten.
Den eingesessenen puritanischen Amerikanern gefiel das gar nicht. Die feindliche Stimmung wuchs zum Deutschenhass. Das deutsche Theater in New York wurde angezündet. In Chicago verbot der Bürgermeister der Partei „Americans only“ den Bierausschank am Sonntag. Viele Dutzend Deutsche wurden anschließend verhaftet, weil sie sich nicht daran hielten. Dabei wurde sogar geschossen.

Das alles erlebten die Vollmers und die Friedrichs aber gar nicht mehr. Wer sich aufs Meer begibt, der kommt darauf um. Der Atlantik war ein Massengrab geworden. Sie würden es schon überleben, glaubten sie. Nur weg aus diesem Kartoffelland Deutschland. Der ärmste Mann in Amerika lebt besser als der in Europa zwei Stufen höher stehende, hieß es. Aber am 5. November geriet die Johanne in einen Sturm. Das Schiff verlor seine Segel, strandete vor Spiekeroog und kenterte. Passagiere wurden über Bord gespült, Rettungsboote zertrümmert.
Die Spiekerooger standen am Ufer und konnten nur zusehen. Vielleicht wehten zerfetzte Schreie herüber. Erst bei Ebbe konnten sie helfen. Sie retteten 150 Schiffbrüchige und nahmen sie in ihre 30 Häuser auf. Die vielen Toten, die noch Tage später angespült wurden, unter ihnen die Familien Vollmer und Friedrich, bestatteten sie auf jenem Fleck, der nun Drinkeldodenkarkhof heißt.

„Bei Gott ist Leid nie das Letzte“, haben die vom unerträglichen Leid Heimgesuchten aufgeschrieben. Als trotzigen Glaubenstrost. Aber auch als Ruf, das Ertrinken nicht als gottgewollt hinzunehmen.
Das Leid der Schiffbrüchigen und der hilflosen Retter war nicht das Letzte. Der Schrecken über den Untergang der Johanne ist der Impuls gewesen zum Aufbau der staatlichen Seenotrettung, die Tausenden das Leben gerettet hat. Es wäre das Letzte sie einzustellen.

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pfarrerin Silke Niemeyer aus Lüdinghausen.

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