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Kirche in WDR 5 | 30.06.2021 | 06:55 Uhr

Egoist in Not

Guten Morgen.

Oliver knallt die Tür hinter sich zu. Erst mal raus und eine rauchen. Drinnen war es hoch hergegangen. Sie hatten sich angeschrien und allerhand gegenseitig um die Ohren gehauen. Seine Freundin Britta hatte ihn klipp und klar vor die Wahl gestellt: Entweder deine Familie oder deine krummen kriminellen Dinger, hatte sie gesagt. Da wusste er: Alarmstufe rot. Die meint das ernst.

Er hatte sie ja sehr lieb, auch den gemeinsamen Sohn Manuel. Und jetzt, wo er und seine Freunde aufgeflogen waren, konnte er sich in den Hintern beißen. Er hatte sich wieder einmal von seinen Kumpels überreden lassen.

Seine Familie stand auf dem Spiel. Und bei diesem Gedanken wurde ihm kotzübel. Erst jetzt, wo die Vorladung vom Gericht gekommen war, wurde ihm so richtig klar, dass er sich mit seinem angeblich so hundertprozentig sicheren Ding ein richtiges Eigentor geschossen hatte. Es hatte auch etwas Selbstschädigendes – und das fühlte sich nicht gut an.

Egoist – hatte seine Freundin ihm an den Kopf geworfen. Dabei war er doch so fest davon überzeugt, dass das gut über die Bühne geht. Und schließlich wollte er ja auch das eine oder andere für seine Familie anschaffen von dem Geld. Er wollte das Geld ja nicht einfach für sich behalten. Deswegen fand er es nicht gerecht, ihn als Egoisten zu bezeichnen.

Britta hatte eine Riesen-Angst davor, dass der Richter dieses Mal kein Auge mehr zudrücken wird. Und dann? Droht der Knast. Das meinte sie mit „Egoist“. Denn dann wäre sie ja mit allem Jungen allein und würde zusehen müssen, wie sie zurechtkommt.

 

Manchmal, da meine ich es gut. Wie Oliver Und muss erleben: Gut gedacht ist nicht gut gemacht. Ich tue etwas, aber ich bedenke die Folgen nicht. Oder sagen wir mal so: Ich weiß schon, was mein Handeln für Folgen haben könnte. Aber ich beschwichtige mich selbst. Ich will es nicht wahr-haben. Ich blende das aus. Oder lasse mich von anderen verführen.

So ist es auch bei Oliver gelaufen. Beim letzten Mal hatte er noch eine Bewährungsstrafe bekommen. Ein deutlicher Warnschuss! Doch der war noch nicht laut genug für Oliver.

Der raucht jetzt draußen seine Zigarette und tritt von einem Bein auf das andere. Vor lauter Kälte. Er muss mit jemandem reden. Allein kommt er nicht weiter. Er denkt an Manuels Taufe. Die hatten sie vor einigen Wochen gefeiert. Seit Jahren ist er nicht mehr in der Kirche gewesen. Schließlich ist seine Konfirmation auch schon eine Zeit her. Dann fällt ihm das Gespräch mit dem Pfarrer ein. Nach dem Taufgottesdienst stand er mit ihm im Vorraum zur Kirche. Der Pfarrer hatte das mit der Taufe sehr schön gemacht, und der ist ihm auch ganz sympathisch. Der Pfarrer hatte ihm beim Abschied gesagt: „Sie können sich ruhig bei mir melden, wenn mal was ist. Ich nehme mir Zeit.“ Hatte der Pfarrer das ernst gemeint, oder war das nur so ein Spruch?

Oliver holt sein Handy aus der Hosentasche, googelt die Nummer. „Ja, hier ist Oliver, der Vater vom Manuel, wir waren doch neulich bei der Taufe im Gottesdienst. Ich wollte mal zu Ihnen kommen, haben Sie Zeit für mich?“ „Ist es dringend“, fragt der Pfarrer zurück. „Ehrlich gesagt ja,“ lautet Olivers Antwort. „Wie wäre es dann mit morgen Abend, gegen 18 Uhr?“ „Abgemacht“, sagt Oliver und legt auf.


Gott mit ihnen an diesem Tag, das wünscht Ihnen Pfarrer Frank Küchler aus Overath.

 

  

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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