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Kirche in WDR 3 | 04.09.2020 | 07:50 Uhr

Ein halbes Jahr Corona

Es war heute genau vor einem halben Jahr. Ich war zu einem größeren Abendessen eingeladen anlässlich eines runden Geburtstags. Ein bisschen Unsicherheit war zu spüren, viel wurde über das neue Virus gesprochen. Einige Gäste meinten, da sei Panikmache im Gang. Doch die Mehrzahl ahnte schon, dass da etwas Unbekanntes auf uns alle zurollte. Ein halbes Jahr später ist klar: Corona ist keine vorübergehende Unterbrechung des Lebens, das wir kannten. Die Pandemie wird uns noch lange begleiten - und „danach“ wird es nicht mehr so sein wie davor. Wir werden wohl lernen müssen, mit dem Virus zu leben. Und vieles in unseren alltäglichen Abläufen und Gewohnheiten wird sich dauerhaft darauf einstellen müssen.

Schon vor Corona gab es ja große Herausforderungen genug: Klimawandel, Globalisierung, Digitalisierung. Nun kommen die Folgen der Corona-Krise dazu.

Ich frage mich persönlich, aber auch im Blick auf die Gesellschaft und die Kirche: Werden wir aus Corona etwas lernen können? Ich glaube ja. Und ich bin auch der Meinung, dass wir etwas lernen müssen – dass das sogar ein Auftrag ist. Aber es ist noch viel zu früh, genauer zu sagen, was wir aus Corona lernen können. Es wird wichtig sein, etwas lernen zu wollen.

Vor kurzem las ich in meiner Lokalzeitung ein Interview mit dem Bundestagspräsidenten. Wolfgang Schäuble, der als Politiker in wahrlich vielen Krisen Entscheidungen fällen musste, spricht da unter der Überschrift „Die Pandemie ist eine große Chance“.

Ich schwanke zwischen Zustimmung und Ablehnung. Im Interview sagt Schäuble:

Sprecher:  

Es ist nur menschlich, wenn wir die bislang völlig unbekannte Gefahr der Pandemie betrachten, dass wir uns innerlich immer noch dagegen sträuben, die Bedrohung zu akzeptieren. Wir denken: Irgendwie wird es schon wieder so wie vorher. Aber die Spuren der Pandemie werden länger und tiefgreifender sein, als wir uns das heute vorstellen können.[1]

Schäuble meint, die Corona-Krise könnte eine Chance sein, weil der Widerstand gegen Veränderungen in der Krise geringer wird. Übertragen auf die großen Themen wäre das in der Tat eine Chance. Eine Chance, die bisher fast nie genutzt wurde. Und das war das Neue im Lockdown: alle waren sich einig, jetzt müssen mal die Aktivitäten und Geschäfte in der ganzen Welt einfach angehalten werden – in einem höheren, gemeinsamen Interesse der ganzen Menschheit. Bis dato war das undenkbar. Ob die Chance zum Lernen aus Corona wirklich genutzt wird, hängt von ganz vielen einzelnen Menschen ab. Die Bereitschaft, etwas lernen zu wollen, wird wie gesagt entscheidend sein.

Vor einigen Wochen hat der Bibelwissenschaftler Thomas Hieke aus Mainz ein interessantes Interview gegeben. Er weist darauf hin, dass in der Bibel viele Geschichten erzählt werden, wie die Menschen durch seltsame und schlimme Ereignisse dazu kommen, ihr Verhalten zu hinterfragen und wieder in die Spur eines gerechteren Lebensstils zu kommen. Am Ende seines Interviews sagte Hieke Im Grunde könnte man mal damit anfangen, alles, was ich „danach“ –z.B. nach Corona - wieder tun will, durch drei Siebe zu sieben:

1.      Macht es mich wirklich glücklich? Brauche ich es unbedingt?

2.      Ist es gerecht? Oder leiden andere unter meinem Genießen, Konsumieren usw.?

3.      Ist es verträglich für den Planeten? Ist es nachhaltig?

Ich denke: In so eine Richtung sollten wir unsere Gedanken ausrichten - nach einem halben Jahr mit Corona. Ich hoffe sehr, dass dazu viele Entscheidungsträger bereit sein werden, aber vor allem viele ganz normale Menschen. Dann wäre, wie Wolfgang Schäuble im Interview sagt, die Pandemie auch eine große Chance.

Es grüßt Sie herzlich Ihr Michael Bredeck aus Paderborn.

[1] http://wolfgang-schaeuble.de/die-pandemie-ist-eine-grosse-chance/

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