#
Aktuelles

Beiträge auf wdr4 

evangelisch

Kirche in WDR 4 | 08.10.2020 | 08:55 Uhr

Erfolgreich beten

Guten Morgen!

„Erfolgreich beten“: Das lese ich auf einer „christlichen“ Internetseite. Hm, denke ich, das ist ganz schön großspurig. Was soll das heißen? Wenn ich der Anleitung auf dieser Webseite folge, kommt mein Gebet bei Gott an? Und erfüllt er es dann auch, damit ich sagen kann: „Mein Gebet wurde erhört“. Überhaupt: Was soll das heißen: „Erfolgreich beten“?

Vor kurzem komme ich in eine Situation, die mir diesen Ausdruck wieder ins Gedächtnis ruft.

Während meiner Arbeit als Seelsorgerin im Krankenhaus setze ich mich zur Sprechstunde in die hinterste Reihe der Krankenhauskapelle und warte, ob jemand meine Hilfe als Seelsorgerin braucht.

Um 15 Uhr: Kein Mensch in der Kapelle. Ich warte. Gehe etwas vor die Tür. Vielleicht gibt es einen Menschen, der draußen wartet.

Es wird 16 Uhr. Kein Mensch tritt in die Kapelle. Schließlich werde ich müde und gehe ein wenig in der Kapelle auf und ab. Ich bin noch neu hier und sehe mir die Kapelle etwas genauer an. Ach, was liegt denn da aus? Ein Buch voller handgeschriebener Gebete. Es liegt aufgeschlagen auf einem Beistelltisch hinter den letzten Reihen. Eine schöne Tradition in den Kirchen. Ob ich reingucke?

Solche Gebete, in ein Buch in einer Kirche oder Kapelle geschrieben, die sind etwas sehr Persönliches. Und ich denke, ist das nicht ein Widerspruch in sich? Da schreibt jemand ein Gebet in ein öffentliches Buch, aber die Gebete sind doch an Gott gerichtet. Und zu dem kann ich doch ganz direkt sprechen, zumal hier in der Kapelle. Warum also ein Umweg über ein Buch, in das jede und jeder gucken kann. Ist doch eigentlich so etwas Intimes, ein Gebet.

Das Buch ist öffentlich, also kann ich reingucken. Ich gucke rein.

Und was ich da lese, geht mir lange nicht mehr aus dem Kopf.

In etwas unsicherer, aber ordentlicher „Schönschreibschrift“ steht da zu lesen:

„Lieber Gott, meine Tochter ist 36 Jahre alt. Sie ist behindert. Kannst Du ihr nicht eine Arbeit besorgen? Sie hat Hauswirtschafterin gelernt. Sie ist ein gutes Mädchen. Viele Grüße, eine Mutter.“

Kein Name, keine Adresse. Es ist ja ein Gebet. Aber warum kommt es mir vor, als handele es sich um ein offizielles Bewerbungsschreiben? Alles drin: Anliegen, Ausbildung, Qualifikation, sogar ein kleines Gutachten: „Sie ist ein gutes Mädchen.“

Warum nur, denke ich, hat die Mutter keine Adresse hinterlassen? Es könnte ja sein, dass jemand das liest und gleichzeitig jemanden kennt, der eine Hauswirtschafterin mit Handicap einstellen könnte.

Die Mutter traut Gott wohl mehr zu als einer Stellenanzeige im Internet oder in der Zeitung.

Ich denke: Wenn man die Gebete von anderen Menschen kennen würde, könnte man vielleicht wirklich oft ganz praktisch helfen.

Jetzt fällt mir wieder die Zeile aus dem Internet ein: „Erfolgreich beten“.

Und ich beginne zu verstehen: „Erfolgreich beten“ könnte bedeuten: Ich kann darauf vertrauen, dass Gott unsere Gebet hört. Und dass er dann unsere Augen und Ohren öffnet für die Not unserer Mitmenschen.

Ob ein Gebet Erfolg hat, hinge dann auch von uns und unseren Mitmenschen ab. Der Gedanke ist doch gar nicht so abwegig, oder?


Ich wünsche Ihnen einen guten Morgen, Ihre Pfarrerin Nicola Thomas-Landgrebe aus Köln.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen