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Kirche in WDR 3 | 06.07.2020 | 07:50 Uhr

Fenster zur Welt

Hildegard Koch, die eigentlich anders heißt, liegt in ihrem Pflegebett. Sie ist stark körperbehindert, kann nur noch ihren Kopf und den rechten Arm bewegen. Der Rest ihres Körpers ist über die Jahre steif geworden. Hildegard Koch ist 85 Jahre alt und ich besuche sie alle paar Monate im Pflegeheim. Wir kennen uns jetzt schon ein paar Jahre. Sie hatte mich damals angerufen, nachdem sie mich im Radio gehört hatte. Mein Telefon klingelte und sie sagte: Hallo, mein Name ist Hildegard Koch. Ich wollte Ihnen nur mal sagen, wie wichtig Ihre Arbeit für mich ist. Radio ist mein Fenster zur Welt.

Ich weiß noch, ich war ziemlich sprachlos damals. Und fuhr sie bald besuchen. Seitdem weiß ich: Das kleine Radiogerät auf ihrem Nachttisch ist ihr persönliches Heiligtum. Niemand darf es anfassen, niemand darf etwas verstellen. Viel zu groß ist ihre Angst, dass der Empfang wegbricht. Dass sich das Fenster zur Welt schließen könnte, weil technisch irgendwas nicht mehr wie gewohnt funktioniert.

Das zu sehen hat mich sehr berührt. Diese Frau zu sehen, die wie gefesselt in ihrem Bett liegt, die nicht mehr viel sehen kann, nicht mehr alleine essen, geschweige denn aufstehen kann. Die wirklich mit aller Energie ihr kleines Radiogerät beschützt, weil es ihre Welt öffnet. Weil es ihr Beistand ist, ihr Ratgeber, ihr Informant, ihre Unterhaltung. Weil es ihr einfach alles bedeutet, wenn sich die Tage lang anfühlen, wenn schwere Gedanken kommen, wenn sie Schmerzen hat, wenn es schief gegen ihr Fenster regnet und auch wenn die Sonne scheint. Weil dieses Radiogerät ihr bester Freund ist.

Selten in meinem Leben habe ich mich gleichzeitig so groß und so klein gefühlt. Groß deswegen, weil ich Teil dieses Fensters zur Welt sein darf. Und klein, weil ich merkte ganz vergessen zu haben, welche Bedeutung ich, welche Bedeutung jeder einzelne Mensch, für einen anderen haben kann.
Jeder von uns kann für einen anderen die Welt bedeuten. Vielleicht sogar ohne es zu wissen. Ist das nicht großartig?

Sie und ich, wir können einem anderen Menschen alles bedeuten.

Und noch etwas: Wir bedeuten Gott alles. „Du bist mein geliebtes Kind“, heißt es in der Bibel. Ich bin davon überzeugt, dass es das war, was Jesus wollte: dass wir uns diesen Satz von Gott sagen lassen können und dürfen. Vielleicht machen Sie das mal – sagen Sie sich diesen Satz einmal zu und schauen Sie, was das mit ihnen macht: Ich bin von Gott geliebt.

Kommen Sie gut in diese Woche! Ihre Verena Tröster aus Köln.

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