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Kirche in WDR 3 | 06.02. 2019 | 07:50 Uhr

Gebet statt Gedicht

Ich habe mal von einem Pfarrer gehört, dass ein Opa seinen Enkel zur Erstkommunionsstunde gebracht hat mit der Frage: Muss mein Enkel auch „das Gedicht“ auswendig lernen? – Irritation beim Pfarrer: Welches Gedicht? Tja: Am Ende stellte sich heraus, dass der Großvater das Vater-Unser-Gebet meinte.

Ich möchte mich jetzt gar nicht über den Großvater lustig machen. Gedicht oder Gebet – da hatte er was verwechselt. Und ich denke, das wird nicht nur ihm passiert sein. Denn dass viele Menschen Gebete mit Gedichten verwechseln, liegt vielleicht daran, dass ihnen nicht mehr bewusst ist, dass wir Christen durch Gebete direkt Gott selbst ansprechen. Durch das Gebet tritt der Betende mit Gott persönlich in eine Beziehung. Das ist etwas anderes als das auswendig gelernte Gedicht bei der Schulaufführung.

Nun, mit dem Beten ist das so eine Sache. Ich würde sagen: Am Beten entscheidet sich, ob da – und was da ist an einer lebendigen Beziehung zu Gott.

Schon Theresa von Avila hatte das im 16. Jahrhundert erkannt. Die große Heilige der Kirche und Ordensfrau rät davon ab, Gebetstexte einfach „herunterzuplapperen“ oder gar Gott stundenlang von unserem Leben zu erzählen, das er doch bereits durch und durch kennt. Um dieser Oberflächlichkeit des Gebets entgegenzuwirken, empfiehlt Theresa von Avila ihren Schwestern im Karmelitinnen-Kloster eine völlig neue Art der Kommunikation mit Gott.

Sie sagt: Stelle dir vor, Jesus steht vor dir… Er blickt dich an… Spüre seinen Blick… Das ist alles! – Theresa fasst die Übung in einem Satz zusammen: „Mira que te mira.“ – „Sieh, dass ER dich ansieht.“ „Betrachte, dass ER dich anschaut.“ Und sie ergänzt: „Sieh, dass er dich liebevoll ansieht. Das heißt: nimm diese Liebe auch an!“ – Und weiter: „Sieh, dass er dich demütig ansieht.“ Das heißt: Begreife, dass Jesus dein Diener sein will und sich für dich hingegeben hat. Mit anderen Worten: Spüre seinen Blick. Spüre die Liebe in seinem Blick, der auf deinem Leben ruht. Und lasse dich von Gott lieben – ohne Worte: daraus erwächst alles Weitere.

Mich von Gott, vom auferstandenen Christus angeschaut wissen: Das drückt sich auch in der großen Tradition der Christus-Ikonen aus. Nichts brauche ich vor seinem gütigen Blick verbergen. Denn mein gesamtes Leben, mein heute, mein jetzt und mein morgen sind in ihm geborgen.

Dass auch Sie sich in ihm geborgen wissen, dass wünscht Ihnen Weihbischof Christoph Hegge aus Münster.

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