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Kirche in WDR 5 | 19.02.2020 | 06:55 Uhr

Geduld

Liebe Hörerinnen und Hörer!

Wie schön ist es, in einem Land zu leben, das uns alltäglich viele Annehmlichkeiten zur Verfügung stellt. Wir öffnen den Wasserhahn, und es fließt warmes Wasser, wenn wir es wünschen. Wir betätigen den Lichtschalter, und das Licht geht tatsächlich an. Strom für den Kaffeeautomaten ist ebenso da, wie die Wärme im Heizkörper.

Ich hatte gelegentlich die Möglichkeit, ärmere Länder dieser Welt zu besuchen, und ich gebe zu, erst nach diesen Besuchen ist mir bewusst geworden, wie gut es mir in Deutschland geht. Wenn ich an die Erzählungen meiner Großeltern denke, dann war das damals anders, und allein die Bewältigung des Alltages kostete viel Kraft und Mühe. Für mich muss ich sagen: Von diesen Annehmlichkeiten bin ich doch ziemlich verwöhnt. Und vielleicht geht es Ihnen auch so.

Doch so sehr vieles gut läuft und problemlos gelingt, und so sehr wir erwarten, dass das auch so bleibt, so wissen wir eben doch: Das Leben ist weder Kindergeburtstag noch Ponyhof und auch kein Wunschkonzert. Unser Leben hat eben nicht seinen Ort auf Wolke Sieben. Wir erleben Schwierigkeiten, Rückschläge, Misserfolge, Verletzungen, unerfüllte Wünsche, unerfüllbare Träume und auch bei uns gibt es Not und Elend.

Der Apostel Paulus rät in seinem Brief an die Römer: „Seid geduldig in der Bedrängnis“. Geduld heißt, dableiben, wenn man weglaufen möchte, mutig wieder anfangen, wenn man aufgeben möchte, ertragen, wenn man eigentlich die Nase voll hat.

Nehmen wir nur als Beispiel eine Freundschaft. In einer solchen gibt es Höhen und Tiefen. Eine Freundschaft zu halten, ist kein Selbstläufer, sondern erfordert Anstrengung. Wie groß ist da die Versuchung, sie einfach aufzugeben, wenn es mal schwer wird, man Krach hat und vielleicht sogar in wesentlichen Dingen unterschiedlicher Meinung ist. Geduld können wir hier auch mit „Treue“ übersetzen. Treue ist die Geduld in der Beziehung. Neulich hörte ich in einem Vortrag die bemerkenswerte Aussage: „Treue schützt die Liebe vor der Willkür der Gefühle.“ Gefühle sind etwas Schönes und Spannendes. Sie können unsere Freundschaften gut unterstützen und erleichtern, aber Gefühle sind eben auch sehr schwankend und können eine Freundschaft belasten und erschweren. Geduld in der Bedrängnis, das ist die Fähigkeit, aushalten zu können. Keine Frage, diese Geduld ist unbequem, kostet Kraft. Und doch ist sie alternativlos, wenn Freundschaften und Beziehungen haltbar sein sollen.

Geduld in der Bedrängnis – in diesem Punkt bewundere ich immer wieder die Fans so mancher Fußballvereine, die – sagen wir einmal – nicht immer an der Spitze der Bundesliga-Tabelle stehen. Auch wenn ihre Mannschaften schlecht spielen: Die Fans stehen treu zu ihnen. Und ohne diese treuen Fans wäre so manche Fußballmannschaft bereits untergegangen.

„Seid geduldig in der Bedrängnis“ – Geduld kostet Kraft und ist notwendig, aber – das ist meine feste Überzeugung – wir sind damit nicht allein. Auch und gerade in der Bedrängnis gilt die Zusage Jesu: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Im festen Vertrauen auf diese Zusage wünsche ich Ihnen und mir, dass es uns gelingt, die Bedrängnisse, die kleinen und die großen, dieses Tages geduldig anzunehmen – im Vertrauen darauf: Wir sind nicht allein!

Ihr Weihbischof Dominikus Schwaderlapp aus Köln.

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