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Kirche in WDR 3 | 06.01.2020 | 07:50 Uhr

Gipskönige

Nein, Ich fahre nicht nach Köln zum Fest der Heiligen Drei Könige. Im Dom werden sie heute Morgen groß gefeiert. Wie ich mir habe sagen lassen, wird der Gottesdienst wahrlich königlich. Ich war selbst noch nie dabei, und ich werde auch nie dabei sein. Denn mich locken kein majestätischer Gottesdienst und kein goldener Schrein. Sollen die Kölner ihre drei Könige hochleben lassen, ich erinnere mich ganz anders an Caspar, Melchior und Balthasar.

Bis in die Kindheit gehe ich zurück. Zuhause feierten wir Weihnachten mit einem selbstgebastelten Stall. Jedes Jahr suchte ich einige Tage vor dem Fest im nahe gelegenen Wäldchen Moos, um damit den Stallboden zu polstern. Die heilige Familie sollte weich stehen und knien. Josef, Maria, die Hirten, die Schafe und das Kind in der Krippe waren bunt bemalte Gipsabgüsse, die an einigen Stellen gesprungen waren und ihre Farbe verloren hatten. Ein Birnchen an der Stalldecke wurde notdürftig mit einer Batterie verbunden, damit es für das Krippenkind ein wenig heller wurde. Doch bereits am Zweiten Weihnachtstag war der Strom verbraucht, und alles blieb an den weiteren Tagen dunkel.

Deshalb freute ich mich auf den 6. Januar. Ich durfte für die Krippe eine neue Batterie kaufen. Dann holte meine Mutter aus dem Keller einen Schuhkarton, in dem drei Gipskönige mit ihrem Gipskamel lagen. Sie hatten sich einige Zacken aus den Kronen gebrochen, so dass der weiße Gips durchschimmerte. Es war meine Aufgabe, sie vor den Stall zu stellen. Ich ließ mir Zeit und probierte sorgfältig verschiedene Positionen aus. Der Einzug unserer Könige dauerte meinem Vater fast zu lang. Aber Caspar, Melchior und Balthasar sollten ehrfürchtig vor dem Kind stehen. In Distanz folgte das Kamel. Danach schloss ich das Birnchen an die neue Batterie. Im Stall wurde es wieder hell. Den 6. Januar verbinde ich bis heute mit einem Karton, mit einer Batterie und mit drei Königen und einem Kamel aus Gips. Der Herr erschien in die Armseligkeit einer Krippe aus der Nachkriegszeit. Mir hat die Art, die drei Könige zu feiern, nicht geschadet. Mit Freude erinnere ich mich an die drei Gipsfiguren, die meine Eltern Jahrzehnte später entsorgt und durch geschnitzte Könige ersetzt haben. Moos wird keins mehr gebraucht, und ein Akku garantiert ununterbrochene Beleuchtung. Die Schlichtheit der Gipskönige half mir, ein wenig von Weihnachten zu verstehen. Dagegen sind mir die Holzkönige zu elegant, zu glatt, um dahinter die Erscheinung des Herrn zu vermuten.

Albert Damblon aus Mönchengladbach wünscht Ihnen einen guten Feiertag, auch wenn sie heute arbeiten sollten.

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