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Sonntagskirche | 26.07.2020 | 08:55 Uhr

Glitzerjacke

Guten Morgen.

Lise arbeitet in einem kleinen Laden. Es ist einer der Läden, in denen man etwas Zeit zum Stöbern braucht.

So ungefähr einmal im halben Jahr komme ich hier vorbei. Und Lise ist dann immer sehr höflich. Sie begrüßt mich herzlich. Und dann lässt sie mir Zeit anzukommen. Tut so, als hätte sie noch was anderes zu tun. Bleibt aber jederzeit offen für eine Frage. Wenn außer mir eine weitere Kundin hineinkommt, verdoppelt sich ihre Aufmerksamkeit. Die andere Kundin wird auch herzlich willkommen geheißen. Lise lässt auch ihr Zeit. Die Kundin kann wie ich jederzeit eine Frage stellen.

Nach einiger Zeit fragt mich Lise dann: „Suchst du was Bestimmtes?“

„Ich guck nur“, sage ich meistens.

Und dann fragt Lise irgendwann: „Darf ich dir denn was empfehlen?“

„Ähm, ja vielleicht.“, sage ich.

Und dann sucht Lise Sachen raus. Bunte, glitzernde Sachen. Sachen, die ein bisschen verrückt sind. Sachen, die ich niemals in Erwägung gezogen hätte.

Eigentlich sind mir die Sachen viel zu bunt. Und auch ein bisschen zu schrill.


Ich mag schlichte Sachen. Ich mag schwarze T-Shirts und graue Hosen. Ich mag weiße Blusen und blaue Pullis. In denen fühle ich mich sicher und gut angezogen.

So ´ne Abteilung mit Basics. Die ist was für mich.

Gibt’s bei Lise aber nicht. Es ist ganz sonderbar, Lise sieht etwas in mir, was ich nicht sehe. Sie sieht, dass mir grüne Blusen stehen und Jacken mit Glitzer.

Sie kann das auch in Sprache fassen: „Das unterstreicht deine Augen“, sagt sie. Oder: „Das spielt mit deinen Haaren.“ Oder sie sagt: „Das ist toll.“

Ich kann damit nur schwer umgehen. Aber - ungelogen und zu meinem großen Erstaunen: Die Sachen stehen mir.

In den Sachen fühle ich mich ein bisschen größer und ein wenig mutiger. In den Sachen fühle ich mich ein wenig freier.

In den Kleidern ist auch die Welt etwas bunter und bewegter.

Ich habe öfter Lust zu tanzen.

Man kann wirklich behaupten, Lise lockt mich heraus aus den grauen Hosen und den blauen Pullis. Nicht alle Tage, aber immer mehr.

Die Kleidung zeigt Facetten von mir, die sonst ein bisschen zu kurz kommen.

Ich bin froh, dass ich Lise kennengelernt habe.

Wenn ich bei Lise war, dann geht’s mir gut.

Ich fühl mich gesehen. Auf besondere Weise. In der Bibel heißt es:

„Gott, du siehst mich.“ (1. Moses 16,13)

Gott sieht mich - alle meine Farben, die grauen, blauen, roten, gelben und grünen Seiten – die Basics und das Glitzern. „Gott, du siehst mich.“




Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze


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