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Kirche in WDR 2 | 06.05.2020 | 05:55 Uhr

Gott essen!

Einfach mal eben so was Essen, das geht schon lange nicht mehr.  Hat auch ausnahmsweise mal nichts mit dem Corona Virus zu tun. Denn: Man soll nicht nur bewusst leben,  sondern vor allen Dingen bewusst essen. Ernährung ist wichtig, so wichtig, dass sie zu einer Weltanschauung geworden ist. Das hat jedenfalls kürzlich ein britisches Arbeitsgericht entschieden. Geklagt hatte ein Arbeitnehmer, der sich als Veganer bezeichnet und das nicht nur als Ernährungsfrage verstanden wissen wollte. Wer sich vegan ernährt, folgt damit nicht nur einer wie auch immer gearteten Esskultur. Vielmehr ist Veganismus eine Haltung, ja vielleicht sogar etwas wie Religion. Denn: Es prägt das gesamte Verhalten eines Menschen, seine Einstellung zum Mitmenschen, zur Umwelt und zum Klima.

Vielleicht ist Veganismus ja sogar missionarischer als die Kirche. Auf jeden Fall reden mehr Menschen über das, was sie essen, als über das, was sie glauben.

Dabei sind Essen und Religion nahe beieinander.

In den Anfängen des Christentums hat sich beim Abendmahl alles um`s Essen gedreht. Am Abendmahl durfte nur der teilnehmen, der getauft war. Weil aber immer viele kamen, die nicht getauft waren, hat man einfach ein Abendessen vorneweg geschaltet. . Jeder brachte Speisen und Getränke von zu Hause mit und man ließ es sich vor dem Abendmahl gemeinsam gut gehen; unabhängig übrigens  von Herkunft, sozialer Stellung, Alter oder Geschlecht. Diese Zusammenkünfte waren so attraktiv, dass die Essbewegung sich immer mehr ausbreitete. Irgendwann war es dann soweit: Das gemeinsame Essen musste wegfallen, weil einfach zu viele Menschen teilnehmen wollten. Übrig blieb das Abendmahl der Getauften, bei dem man allerdings nicht satt wird. Wie auch, bei einem kleinen Stück Weißbrot.

Und wenn in Zeiten von Corona dann plötzlich auch noch die Gemeinschaft mit anderen Menschen wegfällt, macht es dann überhaupt noch Sinn Abendmahl zu feiern ?

Oder anders gefragt: Da es beim Abendmahl ja auch um die Verbundenheit mit Gott geht, lässt sich diese Verbundenheit nicht auch anders herstellen?

Klar sagt der technikfreundliche Pfarrer: Ich baue meine Webcam auf, stelle mich in die Kirche, spreche die Einsetzungsworte und jeder, der vor seinem Computer sitzt, isst sein Brot, trinkt seinen Wein und alle Probleme sind gelöst.

Gleichzeitig aber, so denke ich, müssen die Zusammenkünfte in den Kirchen wieder so attraktiv werden, dass sich Menschen unabhängig von Herkunft, sozialer Stellung, Alter oder Geschlecht gemeinsam versammeln. Und wenn es dann richtig gut läuft, wird man eines Tages beim Anblick einer Kirche sagen: „Komm, lass uns mal eben was Gutes essen gehen.“

 

Redaktion: Sabine Steinwender-Schnitzius

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