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Kirche in WDR 4 | 02.08.2019 | 08:55 Uhr

Gott macht keine Fehler

„Gott macht keine Fehler!“ Ich schaue sie abwartend an. Wir sitzen gemeinsam auf ihrem bequemen Sofa – auf dem Tisch ein großer Blumenstrauß. Sie feiert ihren 80. Geburtstag. Eine große Familie hat sie nicht mehr – wir sind allein. Zeit, in Ruhe miteinander zu sprechen.

An diesem besonderen Tag gehen ihre Gedanken zurück zu den Menschen, mit denen sie ihr Leben geteilt hat. Ihr Mann ist vor einigen Jahren gestorben. Sie hat ihn gepflegt - auch wenn es nicht immer einfach war. Nach einer Pause fährt sie fort: „Glauben Sie mir, einen Mann zu verlieren ist nicht leicht, aber wenn der eigene Sohn stirbt…“ Und sie spricht von ihrem einzigen Sohn, der schon im Alter von 40 Jahren gestorben ist. „Je älter ich werde, desto öfter denke ich an ihn. Das macht mich immer traurig.“ Und dann erzählt sie mir von ihrer Haushaltshilfe, die zu einer freien christlichen Gemeinschaft gehört. „Die sagt immer: `Gott macht keine Fehler. `“ Nach einer Pause fügt sie leise hinzu: „Aber warum hat er mir dann meinen Sohn genommen…?“

Stimmt das? denke ich. Gott macht keine Fehler? Es fühlt sich doch aber falsch an, wenn Kinder vor ihren Eltern sterben. Selbst wenn sie schon erwachsen sind. Erst sterben die Eltern, dann die Kinder. Das ist doch die natürliche Reihenfolge in Gottes Schöpfung, oder? Den natürlichen Tod der Eltern, den akzeptieren wir – selbst wenn die Trauer groß ist. Aber vom Tod des eigenen Kindes erholt man sich nur sehr schwer und manchmal nie wieder ganz Gott macht keine Fehler. Warum aber passiert dann das Unerklärliche? Warum gibt es so viel Leid? Warum tut Gott nichts dagegen? Wir leiden darunter. Wir haben ein Recht über unseren Schmerz zu klagen – und sogar, Gott anzuklagen. Selbst Jesus am Kreuz hat geklagt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen.“ (Psalm 22,2)

An Gott zu glauben, das bedeutet nicht, dass ich mir alles erklären kann. Dass mir die tiefen Täler des Lebens erspart bleiben. An Gott zu glauben heißt auch nicht, alles widerspruchslos hinzunehmen, was einem geschieht. Glauben heißt, darauf zu vertrauen, dass ich mit meinem Schmerz, mit meinen Fragen nicht allein bin.

Gott verspricht uns nicht, uns VOR allem Leid zu bewahren, aber er ist IM Leid an unserer Seite. Darauf will ich vertrauen. Das nimmt mir nicht den Schmerz. Es lässt mich aber hoffen, dass die Wege durch die dunklen Täler meines Lebens auf eine helle Blumenwiese führen. Dann wird der Schmerz, der Verlust, den ich erlitten habe, nicht mein ganzes Leben beschweren. Sondern es wird immer wieder Zeiten der Hoffnung und des Glückes geben.

Das versuche ich der Frau neben mir mit vorsichtigen– manchmal stammelnden – Worten zu sagen. Ganz ruhig hört sie mir zu. Schließlich drückt sie meine Hand und nickt ganz leicht.

Selbst in den schweren Zeiten Ihres Lebens – bleiben Sie Gott befohlen!

Das wünscht Ihnen, Ihre Johanna Krumbach, Pfarrerin in Augustdorf.

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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