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Kirche in WDR 3 | 31.12.2019 | 07:50 Uhr

Hauptsache geliebt

Guten Morgen.

„Wirst du mitkommen?“, fragst du.

„Wann ist es denn soweit?“, frage ich.

„Am Dienstag, um 7.30h.“

„Alles klar, ich werde da sein. Ich hol dich ab.“

Dienstagfrüh setze ich mich ins Auto,

komme an vor deinem Haus,

du winkst noch deinen Kindern zur Schule hinterher,

steigst ein, wir umarmen uns, fahren los,

dann kommen wir an.

In der Praxis werden wir freundlich empfangen,

dürfen uns einrichten,

du wirst verkabelt.

Die Flüssigkeit beginnt

langsam durch den Schlauch

in deinen Körper zu fließen.

So ist das also

bei einer Chemo-Therapie.

Ich bringe dir Kaffee,

du reichst mir Kinderschokolade,

dann unterhalten wir uns,

über früher als wir noch Kinder waren,

und über unsere Kinder heute,

übers Elternsein und über unsere Großeltern.

Du erzählst, wie deine geliebte Oma dir einst

ihren Ehering vermacht hat.

Lange hat er dann irgendwo in der Schublade herumgelegen.

Letztes Jahr hast du den Ring anpassen lassen.

Seitdem trägst du ihn,

das Leben ist zu kurz für Schubladen.

Ich frage, ob du was spürst.

Ein bisschen kribbelt es, genau da, in den Fingern, sagst du.

Und sagst gleichzeitig, wie dankbar du bist,

über die medizinischen Möglichkeiten,

dass man was nehmen kann

gegen die Nebenwirkungen und die Übelkeit.

Gegen die Kälte hast du deine Hausschuhe mitgebracht.

Das hatte dir eine Freundin empfohlen,

damit du dich ein bisschen zuhause fühlst hier,

keine kalten Füße bekommst.

Du fragst, ob ich Fotos machen könne von dir,

jetzt und immer mal wieder auf dem Weg,

der nun vor dir liegt,

auch, wenn dann die Haare ausfallen,

auch, wenn’s dir mal richtig dreckig geht.

„Ja. Ich werde da sein.“,

sage ich.

Nicht weil ich Expertin darin bin,

oder weil ich weiß,

wie man mit solchen Situationen umgeht,

sondern einfach weil du fragst, sage ich: „Ja“.

Weil wir Freundinnen sind.

Du erzählst, wie sich seit deiner Diagnose

die verschiedensten Menschen bei dir melden.

Eine Freundin, die selbst vor kurzem schwer erkrankt ist,

schreibt dir: Sie hat aus dem Motto „Hauptsache gesund“

„Hauptsache geliebt“ gemacht.

Ich fühle mich erinnert.

An die Zeit als meine Kinder geboren wurden.

Mit Bemerkungen wie „Hauptsache gesund“

konnte ich damals überhaupt nichts anfangen.

Denn was wäre, wenn sie nicht gesund ins Leben kämen?

Oder wenn sie irgendwann im Leben mal krank würden?

„Hauptsache geliebt.“ entschied ich damals,

so wollte ich meine Kinder

in diesem Leben empfangen,

so wurde ich selbst immer wieder empfangen,

von Menschen …

… und von Gott,

der sich selbst die Liebe nennt.

Manchmal erwähnst du ihn, deinen Glauben,

aber du machst nie viele Worte drum,

du trägst ihn eher wie deine Hausschuhe in einer Arztpraxis,

wie die Lachfalten an deinen Augen oder

wie die Tränen, wenn du mal weinst,

wie einen Ring an deinem Finger …

… wie ein Urvertrauen tief in deinem Herzen:

dass du aus Gott nicht rausfallen kannst,

komme was da komme,

Hauptsache geliebt,

das bist du!

Wir fahren zurück, ich bringe dich nach Hause,

als wären wir nur Kaffeetrinken gewesen.

Deine Kinder sind schon da.

Arm in Arm winkt ihr mir nach.

Und ich denke:

Komme, was da komme,

Hauptsache geliebt!

Es grüßt Sie
Stephanie Brall aus Hildesheim.

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

© Text: In Anlehnung an Stephanie Brall et al, Adventskalender Lichtungen. bene! Verlag. 2020. ISBN 4-260308-357497.

 

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