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Hörmal | 01.12.2019 | 07:45 Uhr

Heilung statt Stigma


Heute ist der 1. Advent und heute ist Welt-Aids-Tag. Da kommt was zusammen!

Vor 30 Jahren, an einem Adventssonntag, hat eine Gruppe von AIDS-Aktivisten in New York den Gottesdienst in der St. Patricks-Cathedral gestürmt. Die Aktion vom 10. Dezember 1989 war nicht der erste Protest, aber einer der denkwürdigsten von AIDS-Aktivisten zu dieser Zeit.

Draußen, vor der Kathedrale protestierten ca. 7.000 Aktivisten. Und damit protestierten sie gegen die Lehre der katholischen Kirche. Ihr Ziel: Kardinal John O’Connor, der den Einsatz von Kondomen ablehnte – wie viele Kirchenmänner.

Einige Protestler hatten es in die Kirche geschafft und riefen mitten in die Predigt des Kardinals: „Wir werden nicht schweigen“. Der Kardinal ließ daraufhin die Protestler mit Polizeikraft aus der Kirche entfernen. Und das gab in den Medien unschöne Bilder. Schlimmer noch: Der Graben wurde tiefer zwischen der Kirche und den HIV-Betroffenen.

Die Kirche und HIV. Advent und Welt-Aids-Tag: Auch dreißig Jahre später kann ich nur bedauern: Die Kirche hat sich im Umgang mit HIV wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Damals, beim Protest, nicht und auch nicht danach.

Damals, 1989, hatte die Krankheit in den USA bereits 40.000 Leben hinweggerafft. Spätestens mit dem Tod von Queen-Sänger Freddie Mercury 1991 stand AIDS im Brennpunkt der Öffentlichkeit. Von der „Pest des 20. Jahrhunderts“ war die Rede, und auch von einer „Geißel Gottes“.

Als Theologe weiß ich natürlich, dass es genau solche Vorstellungen gibt, sogar in der Bibel: Da wird erzählt, wie Krankheiten aufkommen, weil Menschen sich falsch verhalten haben. Krankheit ist dann eine Strafe.

Ganz prominent ist Mirjam, die Schwester des Mose. Die wird vom Aussatz geschlagen, als sie sich durch Lästern hervor tut. Die Zerstörung von Sodom und Gomorra erklärt die Bibel als eine Strafe für menschliche Unzucht. Kein Wunder, dass eine sexuell übertragbare Krankheit wie HIV auch als göttliche Strafe gedeutet wurde.

Und die Konsequenz schien allzu klar: ein verändertes Verhalten würde auch die Strafe verhindern. Daher hat die Kirche – und tut es heute immer noch, zuvörderst Enthaltsamkeit außerhalb der Ehe gepredigt. Und nicht Verhütung. Aber ich bleibe dabei: Krankheit als Strafe Gottes für ein Fehlverhalten zu deuten ist zynisch.

Der große Theologe Blaise Pascal hat einmal gesagt: „Der Mensch ist weder Engel noch Bestie, und sein Unglück ist, dass er umso bestialischer wird, je mehr er ein Engel sein will.“ Ich denke, dieser Satz ist heilsam, wenn ich auf diesen Tag schaue: auf den 1. Advent und Welt-Aids-Tag. Warum?

Es geht nicht darum HIV-Erkrankte bloßzustellen und auszugrenzen vom hohen Ross der Moral. Warum macht es die Kirche nicht wie Jesus? Er hatte die Marginalisierten im Blick und die Stigmatisierten umarmt. Jesus hatte einen heilsamen Blick dafür, dass Menschen als Mensch wahrgenommen werden.

Noch immer sind HIV-Kranke stigmatisiert in vielen Teilen der Gesellschaft und marginalisiert in Teilen der Welt. Ich finde: Kirche täte gut daran, es diesem Jesus gleichzutun um den es im Advent geht, indem sie Menschen wahrnimmt und sich annimmt.

 

Quelle zum 10. Dezember 1989: https://www.rferl.org/a/before-pussy-riot-act-up-confronted-church-and-won/24668230.html

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