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Kirche in WDR 4 | 12.05.2020 | 08:55 Uhr

Helden der Pflege

Es ist schon interessant, wem in den letzten beiden Monaten das Etikett „systemrelevant“ aufgeklebt wurde. Allen voran die Ärztinnen und Ärzte und das Krankenhaus- und Pflegepersonal. Und während Ärztinnen und Ärzte schon länger als „Götter in Weiß“ das Zeug zum Heldenstatus haben, war das in der Pflege lange Zeit schwieriger: eher schlecht bezahlt, wenig Perspektive, kein Nachwuchs. Anerkennung zwar grundsätzlich schon. Aber ich zumindest war mir immer sicher: kein Job für mich. Pflege ist für mich selbstverständlich eine Sache für Profis. Nichts, das ich mir selbst zutrauen – und ja auch: zumuten würde. Das muss ich so sagen. Aber: Warum eigentlich nicht?

Dass Pflege immer mehr zu einem Job von einigen wenigen geworden ist, das ist schon eine schräge Entwicklung, an der das Christentum nicht ganz unschuldig ist. In der Antike war die Pflege von Kranken und Alten eher eine Sache der Familien. Mit dem Christentum kam dann die Überzeugung auf, dass man sein ganzes Leben der Pflege von Mitmenschen widmen kann. Das war nicht selbstverständlich – sich um andere zu kümmern, die nicht zur eigenen Sippe gehörten. Da gehörte eine Portion religiöser Überzeugung zu. Grundlage war, dass Jesus zu seinen Leuten gesagt hatte: „Was ihr für die geringsten und bedürftigsten Mitmenschen getan habt, das habt ihr für mich getan.“ Und aus dieser Überzeugung heraus haben sich zig Orden gegründet: Beginen und Begarden, die Orden der Barmherzigen Brüder, die Alexianer, die Johanniter und Antoniter. Deren „Geschäftsmodell“, wenn ich das mal so sagen darf, war: die Pflege von Armen und Kranken. Manche dieser Ordensnamen sind bis heute in den Krankenhaus- und Pflegegesellschaften erhalten. Ja, und unsere Zeit hat aus dieser Haltung quasi eine Industrie gemacht, ein richtig großes Geschäft: einerseits hochprofessionell und andererseits oft unterfinanziert. Und in der Krise werden die dort Pflegenden dann zu Helden. Vielleicht nicht ganz so unerreicht, wie die „Götter in Weiß“, aber trotzdem auch nicht mehr normalsterblich.

Dabei ist die Pflege von Alten und Kranken tatsächlich doch eine Aufgabe, die zum Alltag gehören sollte – und selbstverständlich nicht nur für Christen. Ich meine damit nicht die spezialisierte Intensivpflege, die kaum jemand zu Hause angemessen leisten kann, ich meine das schlichte Kümmern umeinander. Pflege heißt ja nicht bloß Wunden verarzten und beim Toilettengang helfen. Pflege ist grundsätzlich Fürsorge. „Die geringsten Mitmenschen“ von denen Jesus in der Bibel spricht, das sind alle die um mich herum, die meine Fürsorge brauchen können. Das heißt für mich: genau hinschauen, für wen ich Besorgungen machen kann, mehr Zeit mit Kindern und Eltern, Alten und Jungen verbringen, bemerken, wer Hilfestellung braucht, Zuspruch oder schlicht ein nettes Lächeln. Da fängt Pflege an. Und das kann ich auch.

Und dann wäre auch schneller klar, was ich für kranke oder alte Mitmenschen um mich herum eben nicht mehr leisten kann, und welche großartige Aufgabe Menschen in der professionellen Kinder-, Alten- und Krankenpflege vollbringen. Heldenhaft eben, aber auch total normal. Und hoffentlich angemessen bezahlt.

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