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Kirche in WDR 5 | 02.12.2020 | 06:55 Uhr

Ich kann nicht klagen

Autor: Guten Morgen.

Die Veranstaltung hat noch nicht begonnen, und es ist noch etwas Zeit. An der Seite steht ein Mann, den ich lange nicht gesehen habe. „Wie geht es Ihnen?“, frage ich ihn. „Och, ich kann nicht klagen“, erwidert er, hält kurz inne und kommt dann vom Hölzken auf´s Stöcksken, von Corona auf seinen Rücken und sein Bein und auf alles, was ihm so zu schaffen macht.

Wie hatte er noch zu Beginn gesagt, ich kann nicht klagen… Aber es stimmt eigentlich. Denn die wenigsten Menschen klagen wirklich. Meist jammern wir eher, und das auf ziemlich hohem Niveau. Jammern kann jeder. Beim Jammern bleibe ich immer nur bei mir, auch wenn ich von einem zum anderen gehe und doch immer wieder nur die gleiche Geschichte erzähle. „Seht alle her, wie schlecht es mir geht!“ Wer jammert sucht vor allem Zuwendung und Aufmerksamkeit.

Klagen ist etwas anderes. Wer klagt sucht ein wirkliches Gegenüber und eine Reaktion. Er sucht Antwort und vor allem Veränderung.

Klagen muss man lernen. Genauso, wie es manchmal eine Anleitung braucht, die Augen zu öffnen für all das Schöne in dieser Welt und auch im eigenen Leben, so braucht es manchmal eine Anleitung, den Mund aufzutun und zu klagen. Nicht die Zähne zusammenzubeißen und alles herunterzuschlucken. Sondern all das unsägliche Leid zur Sprache zu bringen vor Gottes Angesicht. All das, was uns quält an Leib und Seele einmal herausschreien oder auch einmal herausweinen.

In der Bibel finde ich einige, von denen ich das Klagen lernen kann: viele Psalmbeter haben das getan, Hiob und auch der Prophet Jeremia. Der hat seine ganze Wut, seine Verzweiflung und auch seine Bitterkeit Gott um die Ohren geworfen, wie einen alten dreckigen Lappen. Das will ich dir mal sagen, mein Gott:

 

Sprecher: Erkenne, dass ich um deinetwillen geschmäht werde. (Jeremia 15,15*)

Ich saß nicht im Kreis der Fröhlichen und freute mich, sondern saß einsam, gebeugt von deiner Hand; denn du hast mich erfüllt mit Grimm. (Jeremia 15,17*)

Warum währt doch mein Leiden so lange und ist meine Wunde so schlimm, dass sie nicht heilen will? (Jeremia 15,18*)

HERR, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. (Jeremia 20,7*)

 

Autor: Das ist kein Jammern. Hier schüttet Jeremia sein ganzes Herz vor Gott aus. Und ich staune über seine Freiheit und seinen Mut, so mit Gott umzugehen.

Aber wo soll er auch anders hin - als zu Gott? Und wo kann ich anders hin - als allein zu ihm? Wenn einer helfen und beistehen kann, dann Gott. Und so bleibt Jeremia dran, mit seiner Klage, aber auch mit seiner Bitte, die wie eine Gewissheit klingt und Mut macht:

 

Sprecher: Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm. (Jeremia 17,14*)

 

Autor: Jeremia will, dass sich was ändert und er traut es Gott zu, dass er es möglich macht.

Ich möchte Sie ermutigen, ehrlich zu klagen – vor Gott und vor Menschenohren - und nicht zu jammern. Mit Jammern mache ich mir und anderen nur das Herz schwer. Im Klagen mache ich mein Herz an Gott fest und lasse mir helfen.


Ihr Heinz-Bernd Meurer aus Velbert.

Anmerkung:
Die Bibel nach der Übersetzung von Martin Luther, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2016.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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