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Kirche in WDR 5 | 26.10.2020 | 06:55 Uhr

Innerer Leerlauf vor Gott


Guten Morgen!

Meinen Führerschein machte ich als junge Frau in Aachen. Und ich erinnere mich, dass mein Fahrlehrer stets sehr entspannt neben mir saß. Nichts schien ihn zu erschüttern. Weder meine Vollbremsung wegen eines Entenpaares auf der Landstraße, noch meine schwungvollen Versuche, in Kurven Gas zu geben. Mal langsam, sagte er, oder: Wohin so eilig? Besonders eingeprägt hat sich mir sein Rat, den Wagen beim Warten vor einer roten Ampel in den Leerlauf zu schalten. Das schont das Getriebe, sagte er. Das leuchtete mir ein. Und so schaltete ich vor roten Ampeln den Wagen in den Leerlauf. Und das mache ich heute noch.

Madeleine Delbrel war eine französische Sozialarbeiterin

und eine der wichtigsten spirituellen Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Sie empfiehlt uns Menschen, uns selbst immer mal in den Leerlauf zu schalten. Und das nicht nur zur Burnout-Prophylaxe. In ihren Aufzeichnungen geht es Madeleine Delbrel um eine nüchterne Standortbestimmung: Wie will ich wissen, wo ich stehe, wenn ich ständig innerlich oder äußerlich unterwegs bin? Wie kann ich entdecken, welchen Platz mir Gott in dieser großen Welt zugedacht hat, wenn ich pausenlos in meinen Gedanken hin und her renne?

Mit der Standortbestimmung meint Madeleine Delbrel keinen äußeren Ort. Damit nimmt sie vielmehr das Innen eines Menschen in den Blick,

die Seele. Dort ist ein Mensch bei sich selbst und bei Gott. Dort kann

er suchen und finden, was seine Aufgabe auf dieser Welt ist. Seine Berufung, sein Talent. Und wenn es die Fähigkeit ist, aufmerksam zu sein, mitfühlend oder mutig. Dort, in seinem Inneren, kann ein Mensch den eigenen Bezug zu Gott entdecken. So kann er versuchen, sein Leben mit Gott zu leben.

Madeleine Delbrel lebte ihren Alltag mit Gott. Sehr radikal. Sie hatte nach Jahren des Atheismus, in denen Gott für sie keine Rolle spielte, eine befreiende Erfahrung gemacht: Jeden Morgen neu hielt sie ihre Sorgen und Hoffnungen Gott hin und bezog Gott in ihren Alltag ein.

Darüber schrieb sie: Ich denke, Gott alles übergeben heißt, zutiefst und mit freiem Herzen den Platz einnehmen, den er uns in seiner großen Welt zugedacht hat … Aber ich bin davon überzeugt, diesen Platz wirst du nicht entdecken, ohne vor Gott in den Leerlauf zu schalten und dafür ein bisschen von deiner Zeit zu opfern.

Diese Lebenshaltung war für Madeleine Delbrel keine Frömmelei. Vielmehr persönliche Entwicklung und jeden Tag neuer Versuch. Manchmal fühlte sie sich jedoch innerlich so gepanzert, dass Gott

kaum Chance hatte, sie mit seiner Liebe zu erreichen. Dann bat sie:

Lass wenigstens diese Kruste, die mich bedeckt, kein Hindernis

für Dich sein. Geh durch!

Guter Gott, geh auch bei mir durch, wenn ich mich durch Ereignisse, Menschen oder mich selbst niederdrücken lasse und mich in mir selbst verpanzere. Guter Gott, erreiche mich durch meine Krusten! Geh durch!

Aus Coesfeld grüßt Sie Petra Fietzek

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