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Kirche in WDR 4 | 24.05.2021 | 08:55 Uhr

Irre Düfte

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist, ist das Wochenende schon wieder rum. Tja. Und letzte Woche Montag bin ich mit meinem Hund durch eine stille Seitenstraße spaziert. Und ganz am Ende, an der Straßenecke, da stand ein Haus mit zwei kleinen Fenstern. Und vor dem Eingang in der Mitte eine Leiter. Als mache ein Maler gerade Mittagspause. Ich bin näher rangegangen und habe neugierig durch die Fenster geblickt. Kein Mensch zu sehen. Aber auf einem Tisch lagen ein wenig Werkzeug, im Regal ein paar Zeitungsblätter und ich meine auch im Hintergrund ein paar Malerutensilien entdeckt zu haben. Ob das die Vorbereitungen für einen neuen Laden sind? Habe ich mich gefragt. Ich bin ein paar Schritte zurückgegangen. Und dann hab ich auf dem linken Fenster folgenden Satz gelesen: „There will be some funky flavours.“ Und auf dem rechten „See you soon.“ Also:

„Hier gibt’s in Kürze ein paar irre Düfte. Ich freu mich dich bald zu sehen.“

Und natürlich hat es in meinem Kopf sofort gearbeitet. Irre Düfte… Was mag damit gemeint sein? Vielleicht ein Gewürzgeschäft? Ein Whisky- oder Weinladen? Ein Geschäft für Parfums? Das Interieur hat mich eher auf ein Café schließen lassen. Vielleicht mit Selbstgebackenem. Oder – auja – eine kleine Suppenbar. Ein paar Minuten habe ich vor dem Laden gestanden und gerätselt. „Hier gibt’s bald ein paar irre Düfte.“ Ich habe eingeatmet und ausgeatmet – und ich habe an viele Düfte denken müssen. An den irren Duft von frischem Gemüse, Ayvar, Wassermelonen, gebratenem Hackfleisch, Paprika und süßem Karamell auf dem Markt in Strumica. An die schwere Süße an dem legendären Bonbonstand auf dem Bazar in Istanbul. Der wächserne Duft der Kerzen in der neuen Kathedrale von Belgrad. An die unbeschreiblichen Aromen von frischen Spinatknödel auf dem Watzmannhaus. Der Duft von frischgebackenem Stuten in der Domäne Bill auf Juist.

Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein. Dachte ich auf einmal. Der Mensch lebt auch vom Duft. Vom ganz besonderen Aroma, das seiner Sehnsucht das Tor aufmacht. Von einer neuen Welt erzählt. Davon, dass es jenseits des Gewohnten noch etwas anderes gibt. Etwas Neues, Aufregendes, etwas, das dich willkommen heißt und in dem du dich geborgen fühlst.

Und ich bin ziemlich berührt gewesen, als ich nun diese beiden Schaufenster gesehen habe. Wo mitten in die dröhnende Stille der Pandemie, die vieles so gleich macht, so still und grau - jemand in sein Schaufenster geschrieben hatte: „Hier gibt’s in Kürze ein paar irre Düfte. Ich freu mich dich bald zu sehen.“ Und damit jedenfalls für mich an diesem Montag ganz am Ende dieser wirklich einsamen Straße einen Hoffnungssatz hingeschrieben hatte: Auch wenn alles dagegen spricht – hier gibt’s bald was zu riechen. Und das, was es bei mir zu riechen gibt ist irre, und da musst du wirklich deine Nase reinstecken, und wenn du kommst wirst du mir sehr willkommen sein. Wo einer sowas in sein Fenster schreibt, da sagt er mir, dass er sein Vertrauen nicht verloren hat und dass es ihm selbst und der Welt besser geht, wenn die Menschen vertrauen können. Denn es gibt so viele Menschen, die das tun, hier und da und dort. Jeden Tag. Nicht nur an einem Montagmorgen.

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