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Kirche in WDR 4 | 07.06.2019 | 08:55 Uhr

Einer ist da (Mascha Kaléko)

Autor: Guten Morgen!

Heute ist der Geburtstag von Mascha Kaléko. Sie wäre heute 112 Jahre alt geworden. Kennen Sie Mascha Kaléko? In einem Vorwort zu einem ihrer Bücher habe ich gelesen: Sie belegt Platz 2 auf der Verkaufsliste deutschsprachiger Gedichte. Und folgt damit direkt Goethe, der auf Platz eins steht.

Doch trotz ihres großen literarischen Erfolges ist Mascha Kaléko eher unbekannt geblieben. Vielleicht liegt das daran, dass sie Jüdin war und Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus verlassen musste.

Doch zuerst zurück in die Zeit ihres Schaffens ins Deutschland. Mascha Kaléko gehört in Berlin zu einem Kreis von Künstlerinnen und Künstlern, die sich Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts im „Romanischen Café“ treffen. Hier sitzt sie mit Tucholsky, Kästner, Brecht und Ringelnatz zusammen und diskutiert.

In diesen Jahren hat sie ihre größten Erfolge als Schriftstellerin. Ihre Gedichte und ihre anderen Werke erscheinen in Zeitungen. Ein bekannter Verlag bringt ihre Werke heraus. Man kann ihre Gedichte beschreiben als eine Mischung aus Melancholie und Witz, Gefühl und Ironie. Damit erobert sie die Herzen vieler Leserinnen und Leser.

Doch dann ändert sich alles: Bald kann sie nichts mehr veröffentlichen. Ihre Bücher werden verboten. Die Dichterin wird von den Nationalsozialisten zur Aufgabe ihrer Karriere als Schriftstellerin gezwungen und letztlich auch zur Aufgabe ihrer Heimat.

Mascha Kaléko ist ein Flüchtlingskind gewesen - von klein auf. Schon als Kind fliehen ihre Eltern mit ihr aus dem heutigen Polen aus Angst vor Judenverfolgungen. Und nun verliert sie wieder alles. 1938 – gerade noch vor den Novemberpogromen – verlässt sie ihre Heimat Berlin. Mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn geht sie ins Exil nach New York, später nach Jerusalem.

Das Gefühl, eine Außenseiterin zu sein, die beständige Suche nach Heimat und großes Heimweh, prägen ihr gesamtes Leben und ihr literarisches Schaffen.

In einem ihrer Gedichte wirft Mascha Kaléko die Frage auf, ob irgendwer da ist, der das eigene Leben trägt und lenkt.

Sprecherin:

Einer ist da, der mich denkt.
Der mich atmet. Der mich lenkt.
Der mich schafft und meine Welt.
Der mich trägt und der mich hält.
Wer ist dieser Irgendwer?
Ist er ich? Und bin ich Er? (1)
 

Autor: Einer ist da, sagt die Dichterin. In kurzen Sätzen beschreibt sie, was dieser Eine tut. Er ist da. Er denkt mich. Er atmet mich. Er lenkt mich. Er schafft mich. Er trägt mich. Er hält mich. Wer dieser Eine ist, der „Irgendwer“, darauf gibt Kaléko keine Antwort.

Doch auf dem Hintergrund des jüdischen Glaubens, in dem sie aufgewachsen ist, und der Grundlage auch des christlichen Glaubens ist, legt sich eine Antwort nahe.

Am Anfang der Bibel wird erzählt, wie Gott sich den Menschen und die Welt denkt und wie er sie erschafft. Atem haucht er seinen Geschöpfen ein. Er stellt Lebensraum und Lebensmittel zur Verfügung. Und immer wieder verspricht er den Menschen für sie da zu sein, ihnen Halt zu geben, sie zu tragen.

Für mich ist Gott dieser Eine, dieser „Irgendwer“, von dem die Dichterin hier spricht. Er ist es, der mir mein Leben schenkt und der es trägt und lenkt.

So erfahre ich Gott und wünsche Ihnen ähnliche Erfahrungen!

Es grüßt Sie, Landessuperintendent Dietmar Arends aus Detmold.

 

( 1 ) Mascha Kaléko, In meinen Träumen läutet es Sturm. Gedichte und Epigramme aus dem Nachlass, München, 21. Aufl., 2001, S. 84.

 

 

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