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Kirche in WDR 3 | 09.12.2019 | 07:50 Uhr

Macht hoch die Tür

Die Adventszeit ist für mich die Zeit, in der die schönsten Lieder gesungen werden. Und vielleicht gehören Sie zu denen, die diese Lieder genauso gerne singen wie ich. Unter den klassischen Adventsliedern ist mein Favorit noch immer: Macht hoch die Tür. (Anfang einspielen…) Es ist ein Lied, das aus der evangelischen Tradition stammt und auch Eingang in die katholischen Gesangbücher und Gottesdienste gefunden hat. Der Text stammt aus der Feder eines lutherischen Theologen, Georg Weissel, und er entstand in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Georg Weissel war damals Pastor an einer neuerbauten Kirche in Königsberg. Zu seiner Amtseinführung hatte er das Lied Macht hoch die Tür als Vertonung des Psalms 24 komponiert. Die Tür, von der im Lied die Rede ist, war dabei sehr konkret. Georg Weissel beschreibt es selbst, wie der Text entstand:

Sprecher: Neulich, als der starke Nordoststurm viel Schnee mit sich brachte, hatte ich in der Nähe des Doms zu tun. Die Schneeflocken klatschten den Menschen auf der Strasse gegen das Gesicht, als wollten sie ihnen die Augen zukleben. Mit mir strebten deshalb noch mehr Leute dem Dom zu, um Schutz zu suchen. Der freundliche und humvorvolle Küster öffnete uns die Tür mit einer tiefen Verbeugung und sagte: „Willkommen im Haus des Herrn! Hier ist jeder in gleicher Weise willkommen, ob Patrizier oder Tagelöhner! Sollen wir nicht hinausgehen auf die Straßen, an die Zäune und alle hineinholen, die kommen wollen? Das Tor des Königs aller Könige steht jedem offen.“

Weissel bedankte sich bei dem Küster und sagte: „Er hat mir eben eine ausgezeichnete Predigt gehalten!“ Noch am selben Abend machte er daraus das heute so berühmte Adventslied.

Und es gibt noch eine weitere Geschichte zu der Tür: Neben der Kirche in Königsberg wohnte ein reicher Geschäftsmann. Der hatte sein Anwesen aufgrund der Wirren im Dreißigjährigen Krieg massiv gesichert und mit Toren abgeschlossen. Das war nicht gut für die Bewohner eines Armen- und Siechenhauses hinter diesem Grundstück. Sie mussten nun weite Umwege in Kauf nehmen. Georg Weissel entschloss sich zu einem deutlichen Zeichen. Am vierten Advent, nur kurz nach seiner Amtseinführung, stand der Pastor vor der Tür des reichen Geschäftsmannes und hielt eine klare und unmissverständliche Ansprache. Viele Menschen, so sagte er, versperrten dem König aller Könige, dem Kind in der Krippe, die Tore ihres Herzens. Und dann wurde er sehr konkret:

Sprecher: „Heute, lieber Herr Sturgis, steht er vor Ihrem verriegelten Tor. Ich rate Ihnen, ich flehe Sie an, öffnen Sie ihm nicht nur dieses sichtbare Tor, sondern auch das Tor Ihres Herzens. Lassen Sie ihn demütig ein, ehe es zu spät ist.“

Und nachdem der Pastor so gepredigt hatte, sang der mitgebrachte Chor dann: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Es kommt der Herr der Herrlichkeit.“

Der Geschäftsmann muss sehr gerührt und betroffen gewesen sein, vielleicht hat er sich auch geschämt. Jedenfalls holte er unmittelbar den Schlüssel aus seiner Tasche und öffnete das Tor, das danach auch nicht mehr geschlossen wurde. Der Weg über sein Grundstück war nun wieder offen für die Bewohner des Heimes. Lange hieß dieser Weg dann noch „Adventsweg“.

Ich finde, diese Geschichte sagt etwas sehr Wichtiges: Glauben braucht konkretes Handeln, um Trennungen unter Menschen zu verringern. Um anderen das Leben leichter zu machen. Um etwas Gutes in dieser Welt zu tun. Ohne diese Haltung geht Glaube an Jesus Christus nicht.

Einen schönen Adventstag wünscht Ihnen Michael Bredeck aus Paderborn.

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