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Kirche in WDR 3 | 28.07.2020 | 07:50 Uhr

Manchmal kommt es anders

Autor: Guten Morgen!

Italien, zu Beginn der 1970-er Jahre. Der junge Priester Winfried Pilz ist zu einem internationalen Seminar in Rocca di Papa bei Rom. In der katholischen Kirche herrscht Aufbruchsstimmung. Das Zweite Vatikanische Konzil liegt noch nicht lange zurück. Es hat Beschlüsse gefasst, die viele hoffen lassen. Auf Offenheit und Toleranz, auf ein Abrücken von starren Dogmen, von der übermächtigen Tradition. Die Hoffnung, frischer Wind möge die altehrwürdige Institution kräftig durchpusten, diese Hoffnung teilt wohl auch Winfried Pilz, Jugendseelsorger aus dem Rheinland. Er ist also bei diesem Seminar, und das soll dabei helfen, die Beschlüsse des Konzils in die ganze Christenheit hineinzutragen. So hat er das selbst später erzählt. Und er erinnert sich: Morgens wird eine Stunde lang meditiert.

 

Sprecher: „Und als wir da so lagen, versammelte sich auf der Etage über uns eine italienische Jugendgruppe mit Gitarren, und die sangen ‚Laudato si‘. Am laufenden Band, endlos, während wir so da lagen. Ans Meditieren war da nicht mehr zu denken, aber ich fand es einfach fantastisch. (1)

 

Autor: Die italienischen Jugendlichen singen „Laudato si“, ein Lob auf Gottes Schöpfung, das Franz von Assisi rund 750 Jahre vorher verfasst hatte. Darin preist der berühmte Heilige die Schönheit des Himmels und der Erde. Er weiß sich verbunden mit Bruder Sonne und Schwester Mond und Mutter Erde.

Was die Jugendgruppe in Italien mit ihren Klampfen singt, hat den Priester aus Deutschland inspiriert – buchstäblich: begeistert. Von wem die Melodie stammt, weiß man nicht. Klar ist aber: Es ist ein Ohrwurm, der einem nicht so schnell aus dem Sinn geht. Die Musik hat das Zeug zu einem Hit.

Winfried Pilz, damals 33 Jahre alt, ist über die Störung der Meditation nicht ungehalten. Und er greift auf, was ihm da in die Quere gekommen ist. Er notiert sich, was er hörte, auf ein kleines Fetzchen Papier und nimmt es mit nach Hause. Er schreibt den deutschen Text dazu und veröffentlicht das Lied. So wird es ein Hit auch in Deutschland.

Ich weiß: Nicht alle Störungen lassen sich so produktiv aufgreifen. Nicht von allem, was mich aus dem Konzept bringt, bin ich begeistert. Das ist wohl eher eine seltene Ausnahme. Aber es gibt sie, und es hängt auch von mir ab: Wenn ich offen und aufgeschlossen bin, kann der Geist der Überraschung wirken. Wenn ich mich auf Unvorhergesehenes einlasse, gebe ich der Kraft Raum, die Neues schaffen kann. Dann geschieht plötzlich etwas, was ich nicht geahnt habe. Dann ist es gut, mein Konzept zur Seite zu legen. Denn der Geist der Überraschung, Gottes Geist, bringt neuen Wind in alte Konzepte. Er weht, wo er will. Gerade dann, wenn man es nicht erwartet. Ich kann nicht über ihn verfügen, aber ich kann mich von ihm überraschen lassen.

 


Dass Sie heute vom Geist Gottes überrascht und inspiriert werden, wünscht Ihnen

Ihr Andreas Duderstedt aus Lemgo.

 

 

(1) Der Papst, der heilige Franz und das bekannte Neue Geistliche Lied. Interview mit Winfried Pilz, 8.6.2015, katholisch.de

https://www.katholisch.de/artikel/5317-laudato-si-die-umweltenzyklika-und-das-beliebte-lied (letzter Abruf 15.07.2020)

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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