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Kirche in WDR 5 | 24.09.2020 | 06:55 Uhr

Meer geht immer

Guten Morgen!

 

„Ich will ans Meer“, sagt die Kollegin. Da schwingt Sehnsucht mit und Vorfreude.

„Meer geht immer". Steht auf manchen Postkarten. Also Meer mit Doppel-E geschrieben. Dabei musste gerade in diesem Jahr manch einer schmerzlich auf den Urlaub am Wasser verzichten.

 

Aber worin liegt überhaupt die Faszination des Meeres? Da ist das Rauschen, die ständige Bewegung, manchmal die unbändige Gewalt der Wellen oder das Glitzern der Sonne auf ruhiger See... Aber vor allem: Wenn ich am Meer stehe und übers Wasser schaue: Dann kommt dahinter – NICHTS.

Keine Häuser, keine Autos, keine Menschen. Nur das Wasser, der Himmel und die schmale Linie, die Horizont genannt wird. Unendliche Weiten. Die große Politik, Arbeit, Konflikte - sie sind dann weit weg. Ich bin ganz auf mich selbst verwiesen. Keine Ablenkung, keine Anrufe, keine E-Mails. Ich bin am Ziel meiner Sehnsucht.

 

Manche finden das auch im Wald oder in den Bergen. Meditation kann den gleichen Effekt haben. Ich schalte ab, tanke auf, bekomme neue Kraft. Das Gegenteil tritt jedoch ebenfalls manchmal ein: Ich bin aufgewühlt, nachdenklich, sorgenvoll. Manche meinen ja, dass in Zeiten der Ruhe besonders viele Gedanken aufkämen. Aber das ist ein Missverständnis. Die Gedanken sind immer da. Nur meistens werden sie überdeckt von all dem Lärm um einen herum. Nicht zufällig hat sich selbst Jesus zurückgezogen, wenn ihm alles zu viel wurde. Einmal fuhr er mit dem Boot zu einer abgelegenen Stelle, um allein zu sein. (Matthäus 14,13) Jesus hatte gerade die Nachricht vom Tod eines Menschen erhalten, der für ihn sehr wichtig gewesen war. Und so nahm sich Jesus eine Auszeit. Ganz für sich allein, in einem Boot.

 

Lang hielt diese Pause jedoch nicht an, unzählige Menschen warteten schon auf ihn am Ufer. So kommt auch nach meinen kleinen Fluchten immer wieder schnell der Alltag.

Manchmal aber bin ich verändert nach dem Blick aufs Meer, dem Weg durch den Wald oder dem Blick vom hohen Gipfel eines Berges. Ich fühle mich dann frischer, klarer, durchgepustet.

Probleme sind vielleicht nicht weg, aber haben sich sortiert.

 

Nach solchen kleinen Fluchten hat manch einer schon sein Leben geändert, eine Entscheidung getroffen, ist verwandelt in den Alltag zurück gegangen.

 

Und Christen erleben zuweilen in diesen besonderen Momenten, dass Gott ganz nahe zu sein scheint. Weil auch ER plötzlich Raum hat.

Am Meer entdecke ich dafür ein besonderes Bild: Ich stehe am Strand und blicke über das Meer auf die untergehende Sonne. Vom Horizont aus laufen die Strahlen, läuft der Lichtweg, den die Sonne aussendet, genau auf mich zu. Das Licht kommt mir über das Meer in einer geraden Linie entgegen. Und zwar nur mir, so empfinde ich es. Selbst wenn ich weitergehe, folgt mir das Licht.

Genauso spüre ich in besonderen Momenten Gottes Liebe, die genau mir gilt. Dann erlebe ich, was einmal ein Mensch vor Jahrtausenden gebetet hat: "Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand, Gott, mich führen.“ (Psalm 139,9-10) Um das zu erleben, brauchen wir manchmal Momente der Stille. Wo auch immer.

 

 

Es grüßt Sie, Pfarrer Bernd Becker aus Bielefeld.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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