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Kirche in WDR 3 | 22.04.2020 | 07:50 Uhr

Mensch, du darfst müde sein…

Guten Morgen!

Haben Sie’s auch gehört, vor ein paar Tagen? Die Krisenforschung macht uns Mut. Denn jede Krise birgt in sich auch die Chance. In dem Fall die Chance, richtig fit zu werden. Wer nämlich tagsüber nun nicht arbeiten und abends nicht in Kneipen hocken kann, der kann doch stattdessen Tag für Tag trainieren. Gehen, walken, traben, joggen, rennen. Erst langsam. Dann schneller. Hauptsache, so oft wie immer möglich. Und siehe da – am Ende der Krise kann, wer neulich noch nach 100 Metern pustete, womöglich auch den Marathon meistern.

Mmh.

Damit Sie mich nicht missverstehen: Alles spricht für viel Bewegung. Gerade jetzt, keine Frage. Wenn Sie mögen, dann los - ich halte Sie nicht auf.

Allerdings: Muss das Ziel gleich ein Marathon sein?

„Freut euch, wir haben gesiegt!“ Mit diesen Worten hat der erste aller Marathon-Läufer sein Ziel erreicht. Pheidippides hieß der. Um die frohe Kunde vom Sieg über die Perser nach Athen zu tragen, ist er damals, 490 vor Christus, von Marathon bis zur Akropolis gelaufen. 42 Kilometer. Bis er, dort angekommen, zu Tode erschöpft zusammenbrach.

„Freut euch, wir haben gesiegt.“

Kein Zweifel – zigtausend Menschen nehmen die mörderische Distanz heute bestens trainiert und mit Bedacht in Angriff. All denen gebührt größter Respekt.

Zugleich aber wächst unter uns doch auch die Zahl derer, die einfach auf der Strecke bleiben. Denen es - schon ohne Marathon – im Leben geht wie dem Pheidippides. Erschöpfung, Ermattung, mörderische Müdigkeit – ein Massenphänomen. Allzu viele halten dem Lauf der Dinge und der Zeit nicht mehr stand, sind schon jetzt - und schon ganz ohne Viruskrise - über die Maßen gefordert. Oft ausgebrannt.

Und nun – raff dich auf?

Eine Krise, wie wir alle sie nicht kannten, lehrt uns das Fürchten, macht uns ratlos, erschüttert Existenzen, beschert vielen schlaflose Nächte. Und jetzt noch Leistung bis zum Exzess – optimiere dich selbst?

Ja, Mensch - ich bin doch auch nur ein Mensch...

Von müden und matten Menschen erzählt die Bibel allerhand Geschichten. Erschöpfte Propheten, ein ganzes Volk, zermürbt in der Wüste und in Gefangenschaft, selbst Jesus sieht man wiederholt am Ende seiner Kraft.

„Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, der wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.“

Das hat der Prophet Jesaja gesagt. Gerichtet an ein verzweifelt müdes Israel.

Er gibt dem Müden Kraft...

Doch: Der Glaube ist kein Zaubertrank. Nichts, was mich erhaben machen könnte über meine Erschöpfung. Ich bin mitunter müde. Und darf es auch sein. Und mehr noch: Auch mein Glaube stößt an Grenzen wie meine menschliche Kraft. Auch ich traue Gott manchmal nichts zu. Und japse lieber selbst vor mich hin.

Doch der, der die Enden der Erde geschaffen hat, der wird nicht müde, dich und mich in seiner Hand zu halten. Das darfst du glauben. Und deiner Wege gehen. Es muss wirklich kein Marathon sein.



Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen, Ulf Schlüter, Bielefeld



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze


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