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Kirche in WDR 4 | 01.01.2020 | 08:55 Uhr

Neujahrsspaziergang

Guten Morgen.

Der Neujahrsspaziergang am ersten Tag des Jahres hat Tradition.

Das haben wir als Kind schon so gemacht.

Heute mache ich es mit meinen Kindern genauso.

Wir gehen durch die Straßen.

Finden hier und da Böller.

In der Luft hängt noch Rauch.

Es ist still, die Leute schlafen noch,

nur wir sind schon wach.

Und dann

gehen wir raus aus der Stadt,

hinein in den Wald.

Die kleinen Wege haben’s meinen Kindern besonders angetan.

„Geheimwege“ nennen wir sie.

Das sind schmale Pfade,

über Wurzeln, durchs Dickicht,

steil bergauf und dann wieder rasant bergab.

Ich lasse mich mitreißen.

Irgendwann komme ich aus der Puste,

lasse die Kinder und meinen Mann weiterlaufen,

werde langsamer,

lasse meine Gedanken schweifen,

schaue mich um.

Um mich herum die Bäume,

alle ganz kahl, leergefegt.

Wie tot sehen sie aus.

Sind sie aber gar nicht.

Halten ja nur Winterschlaf.

Würden ihre Blätter noch hängen,

würden sie verdursten.

Denn über die Blätter

verdunsten die Bäume ihre Wasservorräte;

und die Wurzeln im gefrorenen Winterboden

können keinen Nachschub liefern.

So aber, ohne ihre Blätter,

können die Bäume sich sammeln, alle ihre Kraft,

in den Zweigen, im Stamm und in den Wurzeln.

Können sich erholen vom letzten Jahr,

vom heißen Sommer,

von den Durststrecken und den Stürmen,

von ihren Früchten, den guten und den verfaulten.

Alles hat seine Zeit,

denke ich beim Anblick der Bäume,

und beim Rückblick aufs letzte Jahr.

Ich lasse los, was war,

alle Früchte und Blätter,

lasse gehen, was nicht bleiben kann und will,

am Anfang dieses Jahres.

Lasse zu,

Dankbarkeit und Trauer.

Spüre meinen Wurzeln nach,

frage mich, wo ich bleiben will,

was mich nährt,

was mir Grund gibt,

was mich in meinen Tiefen beheimatet.

Der Wind weht durch den nebligen Wald

und durch die kahlen Bäume.

Ich breite meine Arme aus,

stelle mich hinein,

in den Wind,

wie fühlt er sich an?

Mitten im Wald zwischen dichtem Geäst,

und wie auf einer Lichtung?

Wo kommt er her, wo geht er hin?


Und: Wo gehe ich hin - in diesem neuen Jahr?

Als „Wind“ wird auch der Geist Gottes beschrieben,

durch den einst am Anfang aller Zeiten

alles entstanden ist.

Ich lasse mich treiben,

am Anfang dieses Jahres,

biete dem Wind meine Stirn, meinen Rücken

und mein Herz.

Dem Wind Gottes.

Atme ein und aus und ein und aus.

Und denke an eine Zeile aus der Bibel (aus Markus 9,24),

die über dem Jahr 2020 steht,

die sogenannte ‚Jahreslosung‘.

Da heißt es:

„Ich glaube,

hilf meinem Unglauben.“

Mit diesen Zeilen kann ich

gut spazieren gehen,

kann sie beten,

und alles reinlegen,

alle Jahreszeiten meines Lebens,

mein Suchen

und mein Finden,

mein Immerweitersuchen,

und mein Gefundenwerden.

Wie Einatmen

und Ausatmen:

„Ich glaube,

hilf meinem Unglauben.“

Es grüßt Sie
Stephanie Brall aus Hildesheim.

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

© Text: In Anlehnung an Stephanie Brall et al, Leben lieben: Kreative Inspiration für Feiertage, Allerweltstage und Lieblingstage. bene! Verlag. 2019. S. 108+S.154. ISBN 978-3-96340-049-0.

 

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