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Choralandacht | 15.08.2020 | 07:50 Uhr

„Nun lasst uns Gott, dem Herren“ (eg 320)

Musik 1, Choral, Strophe 2: Nun lasst uns Gott, dem Herren, Komposition: Nikolaus Selnecker; Text: Ludwig Helmbold; Interpret: Solistenensemble; Leitung: Gerhard Schnitter; CD: Lobe den Herren, Track 9; Verlag: SCM-Verlag GmbH & Co.KG; Label: hänssler-music; LC: 07224.


Den Leib, die Seel, das Leben / hat er allein uns geben; 

dieselben zu bewahren, / tut er nie etwas sparen.


Autorin: „Die Gesundheit ist das Wichtigste.“ Das hört man oft in den letzten Wochen und Monaten. Und „bleiben Sie gesund“, ist der neue Gruß seit Corona.


Sprecherin: Den Leib, die Seel, das Leben / hat er allein uns geben;

dieselben zu bewahren, / tut er nie etwas sparen.


Autorin: „Bleiben Sie gesund, achten Sie auf sich und ihre Nächsten“, grüßt auch der Chefredakteur einer Tageszeitung täglich seine Leserinnen und Leser in einer Kolumne. Stark ist der Wunsch, sich nicht anzustecken mit Covid19, dem gefährlichen Virus. Gesundheit bekommt in diesen Zeiten eine ganz neue Bedeutung, Kraft und auch Fragestellung.

Der Choral „Nun lasst und Gott, dem Herren, Dank sagen und ihn ehren“ ermuntert zum Dank. Dafür, dass Menschen in schwierigen Zeiten bewahrt werden.


Sprecherin:

Nun lasst uns Gott / dem Herren Dank sagen und ihn ehren 

für alle seine Gaben, / die wir empfangen haben.


Musik 1, Choral, Strophe 1


Autorin: Wieviel haben wir zu verdanken in Zeiten von Corona, dem Gesundheitswesen, den Ärztinnen und Ärzten, den Krankenschwestern und dem Pflegepersonal. Wir können dankbar sein, dass die Intensivstationen nicht überlastet waren, dass wir Fachleute und Spezialisten haben, die sich sorgen, kümmern und forschen. Die diskutieren und nach dem besten Weg suchen. Und wir können Dank sagen, dass viele die Krankheit überstanden haben und geheilt entlassen werden konnten.


Sprecher (Zitat): „Vielleicht ist dies die wichtigste, die nachhaltigste Erfahrung aus meinem Kampf gegen das Coronavirus: Du bist, wenn es ums Ganze geht, nicht allein. Wenn dir die Luft ausgeht, wirst du von anderen ins Leben hineingeatmet, „in-spiriert“. Atmen und Inspiriert-Werden gehören zusammen, zunächst organisch, dann auch logisch.“ (1)


Autorin: Schreibt Ludger Verst in einem Artikel in der Frankfurter Rundschau. Er hat die Erkrankung durchgestanden. Die Familie, alle seine Freunde, haben aus der Ferne symbolisch für ihn mitgeatmet. Und andere in der Klinik haben ihn aus der Nähe versorgt. Nach kritischen und lebensbedrohlichen Tagen auf der Intensivstation blickt er voller Dankbarkeit auf sein wiedergewonnenes Leben, seine Fähigkeit, zu atmen, zu spüren und genießen. Sein Leben stand auf der Kippe, unter dem Druck der Atemmaske auf seinem Gesicht kämpfte er über Stunden um jeden Atemzug. In ihm formte sich eine Welt aus Angst. Und Schmerz. Und Bedürftigkeit.


Musik 2: Nun lasst uns Gott, dem Herren, Komposition: Nikolaus Selnecker; Text: Ludwig Helmbold; Interpret: Reinhard Börner; CD: Choräle auf sechs Saiten, Track 11; Label: Cap!-music; LC: 06860; Büroarchiv 148.


Autorin: Solche Geschichten stimmen mich nachdenklich. Umso mehr dankt der Autor unseres Chorals, dass überwunden ist, was krank macht: Fesseln, die einengen, Perspektivlosigkeit, atemberaubende Angst. Das Lied war ursprünglich gedacht für die Situation bei Tisch. Essen als das, was der Mensch empfängt, Nahrung, ohne die niemand überleben kann. Darum hat das Lied von Ludwig Helmbold aus dem Jahr 1575 einen klaren und einfachen Aufbau. Es spiegelt dabei den pädagogischen Sinn des Verfassers. Die kurzen, vierzeiligen Strophen lassen sich leicht einprägen. Kernwort ist „geben“ - gegeben, vergeben, große Gaben.


Musik 3, Choral, Strophe 6: Nun lasst uns Gott, dem Herren, Komposition: Nikolaus Selnecker; Text: Ludwig Helmbold; CD: Lob, Ehr und Preis sei Gott. Die schönsten deutschen Kirchenlieder, Track 1; Interpret: Vocal Concert Dresden; Leitung: Peter Kopp; Label: BERLIN Classics; LC: 06203; Büroarchiv 193


Sprecherin (overvoice):

Durch ihn ist uns vergeben / die Sünd, geschenkt das Leben

Im Himmel solln wir haben, / o Gott wie große Gaben.


Autorin: Aber wie kann man danken für Heil und Leben angesichts von Menschen, die am Coronavirus sterben? Angesichts von soviel anderem Leid in dieser Krise, von Existenznöten, Stress in Familien, Einsamkeit in Altenheimen, Enge und Gedränge

in Fleischereibetrieben, Paketdiensten und Flüchtlingslagern? Da bleibt das Lob im Halse stecken. Was heißt menschliches Leben wirklich – in der Einheit von Leib, Seele und Geist?


Sprecherin (overvoice):

3. Nahrung gibt er dem Leibe; / die Seele muss auch bleiben,
wiewohl tödliche Wunden / sind kommen von der Sünden.

4. Ein Arzt ist uns gegeben, / der selber ist das Leben;
Christus, für uns gestorben, / der hat das Heil erworben.


Musik 1, Choral, Strophen 3 und 4


Autorin: Es soll jetzt nicht vermessen klingen. Und doch stelle ich mir die Frage, ob Corona nicht auch hilft, unser Leben in neuem Licht zu betrachten. Weil es doch auch dankbar macht für das, was wir haben. Ich kann mein Leben als Geschenk sehen. So besingt es das Lied: Wir empfangen unser Leben. Auch wenn es Leid und Krisen einschließt. Mag sein, nicht alle können einstimmen in Zufriedenheit und Dank, weil ihre Existenz durch die Folgen von Corona bedroht ist. Dennoch preist das Lied die Freude über ein gelingendes Leben vor Gott, über das, was dem Leben Sinn verleiht, was für das Überleben unverzichtbar und wichtig ist. Vielleicht ist in Zeiten von Corona genau das wieder deutlicher spürbar.


Sprecher (Zitat): „In der Tiefe ist Wahrheit“, habe ich einmal von dem großartigen Theologen Paul Tillich gelernt. Diese Tiefe zeigt sich in der Intensität meines neuen Lebens. Ich verdanke sie den Ärzten und Pflegekräften. Ich verdanke sie vor allem denen, die mich in den Untiefen der letzten Wochen in einzigartiger Weise inspiriert haben. Mein Leben fühlt sich jetzt frischer und intensiver an. (1)


Autorin: So berichtet es der Autor Ludger Verst, der selber durch Corona dem Tode nahe war. Er hat wieder ganz neu Körperliches und Genuss wertschätzen gelernt. Er isst jetzt weniger und langsamer, aber dafür qualitätvoller, schreibt er. Vor allem wird er sich Zeit nehmen für Menschen, die ihm wichtig sind.


Sprecher (Zitat): Aus der Erfahrung, wie gefährdet und verletzlich, wie flüchtig ein Leben, mein Leben ist, erwächst auch eine neue Wachheit für das Schöne, für eine Dimension der Tiefe. (1)


Autorin: Möge uns die Wachheit für das Schöne und Dimensionen der Tiefe auch nach Corona geschenkt bleiben. So wie es der Choral in seiner letzten Strophe zum Ausdruck bringt.


Sprecherin:

Erhalt uns in der Wahrheit, / gib ewigliche Freiheit,
zu preisen deinen Namen / durch Jesus Christus. Amen.


Musik 4: Erhalt uns in der Wahrheit; Kantate BWV, 79/6; Komposition: Johann Sebastian Bach; Text: Ludwig Helmbold; Interpret: Thomanerchor Leipzig, Georg Christoph Biller & Gewandhausorchester; CD: Das Kirchenjahr mit Johann Sebastian Bach, Vol. 10 (Reformation / Michaelistag)- Kantaten BWV 19, 50, 79, 80, Track 24; Label: ? 2011 Rondeau Production; LC: 06690.


Literaturangaben:

1. Frankfurter Rundschau vom 16.05.20 - Atemzug um Atemzug - Ringen mit dem Tod von Ludger Verst



Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth


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