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Kirche in WDR 5 | 29.03.2021 | 06:55 Uhr

Ölberg

 

Guten Morgen!

Gestern begann für viele Christen die Karwoche. Dieses „Kar“ kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet Klage. Und in der Tat: in dieser Woche beklagen die Christen seit fast 2000 Jahren das Leiden und Sterben Jesu. Ich möchte sie mitnehmen an den ursprünglichen Ort dieser Klage, nämlich ins Heilige Land, wo ich lebe und arbeite.

Hier in Jerusalem ist eines der größten religiösen „Events“ die jährliche Prozession am Palmsonntag, wo sie auch gestern wieder stattfand. Die Prozession führt von Betfage über den Ölberg hinunter ins Kidrontal, und dann hinein in die Altstadt von Jerusalem. Sie endet gleich neben dem Platz des einstigen Tempels.

Normalerweise beteiligen sich zahlreiche Pilger an der Prozession – aber dieses Jahr ist es Corona-bedingt nur eine sehr, sehr kleine Zahl. Wichtig allerdings ist diese Prozession vor allen Dingen für die einheimischen Christen. Sie kommen – wenn sie eine Erlaubnis bekommen – aus den vielen Pfarreien der sogenannten Westbank, dem Gebiet westlich des Jordans, das von der palästinensischen Autonomiebehörde verwaltet wird. Dort leben diese Christen meist unbeachtet von der Weltöffentlichkeit als kleine Minderheit. Bei der Palmprozession aber werden sie wenigstens einmal im Jahr in großer Zahl in Jerusalem sichtbar. Dann schwenken sie Palmzweige, bringen ihre Fahnen mit und mischen sich mit den Menschen aus aller Welt, die mit ihren Liedern und Tänzen  die Prozession in ein Happening verwandeln. Für einen Moment hat man dann den Eindruck, dass Jerusalem (noch) eine christliche Stadt ist.

Im Vergleich zu diesem bunten Bild enthalten die biblischen Erzählungen vom Einzug Jesu in Jerusalem, der am Palmsonntag gleichsam nachgespielt wird, noch etwas anderes: Nicht nur jubelnde Massen, die Jesus als den Messias begrüßen, werden beschrieben. Jesus wird auch präsentiert als einer, der einsam ist und der über Jerusalem weint. So heißt es im Lukasevangelium (Lk 19,41):

Sprecherin:

„Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was Frieden bringt. Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen.“

Schon vorher legt Lukas Jesus folgende Worte in den Mund (Lk 13, 34):

Sprecherin:

„Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt.“

An die Tränen Jesu erinnert heute die Kirche „Dominus flevit“, „der Herr weinte“, am Hang des Ölberges. Nur über das, was man liebt, kann man weinen.

Unwillkürlich muss ich an unsere Kirche denken – Jerusalem ist in der christlichen Tradition immer auch ein Bild für sie. Wie viele Menschen weinen heute um diese Kirche, der sie vieles verdanken, die sie lieben und von der sie doch den Eindruck haben, dass sie ihrer Berufung nicht gerecht wird. Wenn Kinder, die Jesus sammeln will, missbraucht werden. Wenn die Suchenden und die Gescheiterten keinen Platz in ihr finden.

Bei Lukas sagt Jesus mit Blick vom Ölberg auf Jerusalem und den Tempel (Lk 19, 44):

Sprecherin:

„Es werden Tage über dich kommen, in denen deine Feinde ... keinen Stein in dir auf dem andern lassen, weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast.“

Ja, vielleicht ist es so. Dies alles ist auch ein Besuch Gottes. Und vielleicht wird es so sein: Kein Stein wird auf dem anderen bleiben in unserer Kirche, wenn sie die Zeichen der Zeit nicht erkennt und versteht. Vieles Vertraute wird sicher unwiderbringlich verschwinden. Und doch: Die Steine werden überdauern. Aus ihnen kann man neue Häuser bauen, Häuser, die vielleicht nicht so prachtvoll sind wie die zerstörten Tempel von einst, aber wohnlich – für uns und unseren Gott, einen Gott „mitten unter uns“. Lassen Sie uns gemeinsam daran bauen.

Aus dem Heiligen Land grüßt Sie Georg Röwekamp.

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