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Choralandacht | 05.01. 2019 | 07:50 Uhr

Oh Jesu Christe, wahres Licht

Musik 1 (Choral):

O Jesu Christe, wahres Licht

O Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht ...

Autor:

Im Jahr 1640 sitzt in seiner Kammer im Jesuiten Kolleg in Breslau der junge Student Samuel Heermann. In seinen Händen hält er einen Brief seines Vaters. Samuel ist erschüttert über die Zeilen. Damit hat er nicht gerechnet. Er hatte den Eltern in Lissa in seinem letzten Brief mitgeteilt, dass er in die Schule der Jesuiten aufgenommen und auch dort untergebracht worden sei. Dafür wolle er katholisch werden.

Wie hatte er nur denken können, sein Vater würde darüber hinwegsehen? Ausgerechnet sein Vater. Samuel hätte seinen Zorn vorhersehen müssen. Warum hatte er sich nur vorher nicht mit seinen Eltern ausgesprochen? Warum hatte er sie vor vollendete Tatsachen gestellt? Jetzt hatte er die Quittung dafür schriftlich bekommen:

Sprecher:

"In allen deinen Brieflein, deren ich noch ein großes Teil habe, ist die Unterschrift, zu Latein und Deutsch: 'Des Herrn Vaters gehorsamster Sohn bis in den Tod.' Solltest du diese Zusage brechen, wollte ich deine Faust vor den Richtstuhl mit mir nehmen, sie allda aufweisen und um Rache bitten..."

Autor:

Samuel kann es nicht fassen: Meint sein Vater das, was er geschrieben hat, so ernst in seinem Zorn? Soll ein richtender Gott ihn, Samuel, bestrafen, weil er seinem Vater ungehorsam geworden ist und ihn enttäuscht hat? Das sollten die Worte seines Vaters sein?

Das war nämlich der hochgelehrte Pfarrer und weithin berühmte Dichter Johann Heermann. Als er an seinen Sohn schreibt, waren seine besten, die gesunden und die glücklichen Jahre schon lange vorüber. Den ersten Kriegsjahren des 30jährigen Krieges folgten Pestzeiten, seine erste Frau starb kinderlos. Dann heiratete Johann Heermann bald wieder, Samuel wurde geboren und noch drei Geschwister. Doch sie kannten den Vater seit ihren Kindertagen nur als dauernd kränkelnden Mann, der von der Mutter aufopferungsvoll gepflegt wurde.

Aber Johann Heermann dichtete seine Lieder auch, als der Krieg weiterging und immer grausamere Züge annahm. In seiner Gemeinde in Köben musste er am eigenen Leib erfahren, wie gewalttätig die evangelischen Gemeinden wieder zum Katholizismus zurück gezwungen werden sollten. Die Gegenreformation war in vollem Gange, und die geistigen Wegbereiter waren vor allem die Jesuiten. Sie gewannen auf die jungen Menschen in den Schulen großen Einfluss. Und die katholischen und protestantischen Heere versetzten die Menschen im Land in Angst und Schrecken. Andersgläubige wurden mit immer brutaleren Mitteln verfolgt. Der beliebte Pfarrer von Köben musste sich vor Söldnern verstecken und lebte siebzehn Wochen draußen in der Wildnis.

Aus diesen Erfahrungen heraus dichtete Johann Heermann dieses Lied:

Musik 1 (Choral, Strophe 1):

O Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht und bringe sie zu deiner Herd, dass ihre Seel auch selig werd.

Autor: Samuel kennt diese Worte. In der Familie haben sie immer wieder über diese schlimmen Jahre gesprochen. Und vor allem anderen hat ihnen das Evangelium und die Standhaftigkeit des Vaters Kraft gegeben. Jesus Christus ist ihnen in dieser finsteren Zeit das wahre Licht geworden. Und trotz Krieg und Verfolgung sind in den Gedichten des Vaters keine Rachegedanken zu lesen. Aber für die bitteren Erfahrungen hat er Worte gefunden.

Sprecher:

Man zieht uns unsre Kirchen ein,

verjagt, die dein Wort lehren,

man zwingt zum Abfall Groß und Klein,

die deinen Namen ehren.

Dies ist die Zeit, dies ist der Tag

voll Trübsal, Scheltens, Plag und Klag.

Voll Angst und voll Beschwerden;

wir sind jetzt wie ein kleines Kind,

bei dem sich keine Kraft mehr findt,

wanns soll geboren werden.

Autor:

Samuel und seine Geschwister hatten alles das als Kinder miterlebt. Und immer wieder hatten sie mitbekommen, wie unermüdlich ihr Vater im Gebet Jesus um Gnade für die Feinde bat. Sie sollten im Licht der Güte und der Liebe Gottes von ihren finsteren Gedanken und Taten ablassen und selbst wieder ins Licht der Liebe Gottes zurückfinden:

Musik 1 (Choral, Strophen 2+3):

2. Erfülle mit dem Gnadenschein, die in Irrtum verführet sein, auch die, so heimlich ficht noch an in ihrem Sinn ein falscher Wahn;

3. und was sich sonst verlaufen hat von dir, das suche du mit Gnad und ihr verwund't Gewissen heil, lass sie am Himmel haben teil.

Autor:

„Ja, das ist mein Vater,“ erkennt Samuel. „Das ist, was er im Herzen denkt! Auch für seine größten Widersacher gibt er die Hoffnung nicht auf, dass Gott sie überzeugt, den Hass auf die Menschen evangelischen Glaubens abzulegen. Für sie betet er.“

Samuel nimmt den Brief wieder auf und liest erneut die schrecklichen Worte seines Vaters: „...wollte ich deine Faust vor den Richtstuhl mit mir nehmen, sie allda aufweisen und um Rache bitten..." Doch jetzt versteht er, was seinen Vater so erzürnt hat. Die Strafe soll nicht seinen Sohn treffen. Sein Vater ist traurig über die Verhärtung seines Sohnes. Aber er sieht auch die Verführer, die ihn manipuliert haben, ihnen gelten die Worte, die sonst so gar nicht zu ihm passen. Die tiefe Sorge um Samuels Weg, die Verzweiflung, dass er ihn verlieren wird, lässt ihn von Rache sprechen, was ihm sonst nie in den Sinn gekommen wäre. Johann Heermann fürchtet, dass das helle Licht des Glaubens an Jesus seinem Ältesten nicht mehr leuchten wird. Samuel spürt die zutiefst besorgte Liebe seines Vaters.

Samuels Herz wird leichter. Und dann kommt es ihm vor, als ob das Lied seines Vaters sich geradezu an ihn richtet:

Musik 1 (Choral, Strophen 5+6)

5. Erleuchte, die da sind verblend't, bring her, die sich von uns getrennt, versammle, die zerstreuet gehen, mach feste, die im Zweifel stehn.

6. So werden sie mit uns zugleich auf Erden und im Himmelreich hier zeitlich und dort ewiglich für solche Gnade preisen dich.

Samuel Heermann weiß, was er tun muss. Er wird sich von dem Jesuiten-Kolleg trennen, obwohl sie nicht lockerlassen, ihn zu halten.

Fast 380 Jahre ist das her. Ein Schicksal aus der Zeit der schlimmsten Glaubenskämpfe auf deutschem Boden mitten in Europa. Das Licht des christlichen Glaubens war verdunkelt. Jesus als Licht für die Völker der Welt wurde im Kampf der Konfessionen verdeckt. Johann Heermanns Lied kann ich nur aus dieser grausamen Zeit heraus verstehen. Heute wissen die christlichen Kirchen, dass sie nicht gegeneinander bestehen können. In einer Welt voller Verführer, die es darauf anlegen, die Menschen zu manipulieren, müssen die Kirchen gemeinsam ein Zeugnis ablegen für Jesus Christus, für das Licht der Wahrheit.

Musik 2: O Jesu Christe, wahres Licht (Orgel)

Musikinformationen:

Musik 1: Track 01

WDR-ArchivNr.: 5025664102

CD-Name:Kantorei des Kirchenkreises Moers, Schmallenberg

Titel:O Jesu Christe, wahres Licht

Track:2

Interpret:Kantorei des Kirchenkreises Moers

Leitung:Ruth Schmalenberg

Komponist:Fritz Werner

Texter:Johann Herrmann

Verlag:Merseburger

LC-Nr.:Z2323

Musik 2: Track 09 (Orgel)

CD-Name:Klingendes Gesangbuch

Titel:O Jesu Christe wahres Licht

Interpret:Bernd Dietrich

Komponist:Traditionell

Texter:Johann Heermann

Verlag:Medienservice B.& A. Dietrich GbR, Nürnberg

LC-Nr.:10551

Label:MS classic

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