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Kirche in WDR 4 | 07.06.2021 | 08:55 Uhr

Papierklavier

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende schon wieder rum. Tja. Und ich habe am Wochenende ein wunderbares Buch gelesen. Es heißt Papierklavier, geschrieben hat es Elisabeth Steinkellner, es sollte den katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis bekommen, hat es aber dann doch nicht, eine andere Geschichte.

Das Buch erzählt die Geschichte von Maia. Die ist 16 Jahre alt, lebt mit ihrer alleinerziehenden Mutter und zwei Geschwistern in einer kleinen Wohnung. Das Buch ist wie ein Tagebuch geschrieben, mit ganz tollen Zeichnungen und Skizzen. Maia erzählt von ihrem Leben. Das ist leicht und schwierig, lustig und traurig wie das Leben von jungen sechzehnjährigen Mädchen halt so ist. Am Anfang erzählt Maia davon, dass Oma Siglinde gestorben ist. Die ist nicht ihre richtige Oma, sondern eine alte Nachbarin, die sich sehr um Maia und ihre Geschwister gekümmert hat. Nun ist sie tot, und Maias kleine Schwester Heidi macht sich viele Gedanken, wie man sich das vorstellen muss, das mit dem Sterben und dem Tod. Oma Sieglinde hat Heidi mit ihrer Leidenschaft fürs Klavierspielen angesteckt. Aber ihre Wohnung ist so winzig, da passt kein Zebra rein. Zebra, so nennt Heidi den riesigen Flügel mit den schwarz-weißen Tasten. So klimpert sie auf einem Papierklavier – einem Stück Papier, auf dem die Tasten aufgemalt sind.

Aber nun ist Oma Sieglinde tot – und Heidi fragt sich: Wo ist sie jetzt? Maia tendiert dazu, dass sie „ein Festmahl für allerhand Tiere und Bakterien“ ist, da unten im Grab. Aber diesen Gedanken mag sie ihrer Schwester nicht zumuten. Vielleicht ist das Klavier ein Ort, an dem sie weiter lebt- spekuliert Heidi. Vermutlich komme sie nachts heimlich und spiele auf ihm, mutmaßt sie. Oder, nein: Wahrscheinlich steht sie am Grab „und lacht, weil alle denken, dass sie da drin liegt, obwohl sie doch in Wahrheit zum Bäcker geht und ein bisschen Brotduft schnuppert“.

Was für ein kraftvolles Bild: Da riecht eine Oma am frischen Brot – und verspottet den Tod. Der verlockende Duft hat bei Oma Sieglinde dafür gesorgt, der Angst die Spitze zu nehmen. Und das hat die kleine Heidi beobachtet. Und sie erinnert sich jetzt daran. Erklären kann sie es sich nicht. Aber dieses Bild, diese kuriose rätselhafte Erinnerung vermag sie zu trösten. Und Mut zu machen. Wenn sie in ihrer viel zu kleinen Wohnung am Küchentisch sitzt und auf ihrem Papierklavier klimpert.

Wie wäre das, wenn mich die Angst nicht mehr überwältigen würde? Denke ich, als ich das lese. Und Ängste gibt es ja viele. Die Angst davor, den Ansprüchen auf der Arbeit nicht zu genügen. Die Angst vor körperlicher und psychischer Erschöpfung. Die Angst davor, alle anderen überholen mich. Die Angst, dass es nicht reicht. Die Angst vor dem Tod.

Jetzt braucht es einen, der mir ein Stück Brot hinhält. Ich rieche dran und beiße rein. Jetzt braucht es eine, die für mich ein Lied singt. Und ich summe mit. Wie schön das wär. Nicht nur an einem Montagmorgen.

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