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Kirche in WDR 2 | 19.11.2020 | 05:55 Uhr

Reden ohne Anfassen

Ich bin Judith Uhrmeister, guten Morgen!

Reden ohne anfassen, das ist im Moment die Devise.

Was das Hände-Schütteln mit Fremden betrifft, bin ich ehrlich gesagt manchmal gar nicht so traurig, dass ich nicht mehr jedem die Hand schütteln muss. Körperkontakt ist ja immer auch etwas Intimes.

Aber meine FreundInnen und andere Leute, mit denen ich vertraut bin, die würde ich sehr gerne mal wieder anfassen. Die Hand auf den Rücken oder auf die Schulter. Eine feste Umarmung, oder sogar mal ein Schmatz auf die Backe.

Aber das alles geht eben im Moment nicht. Wir sollen Abstand halten und auf Körperkontakt außerhalb des eigenen Hausstandes verzichten. Corona Corona Corona!

 

Wenn man so wie wir im Moment auf Abstände sensibilisiert reagiert, lesen sich manche Texte der Bibel ganz anders. Dort gibt es beispielsweise auch ein Berührungsverbot, und zwar an zentraler Stelle. Es wird von den ersten Begegnungen erzählt, die der frisch von den Toten auferstandene Jesus hat. Als allererstes trifft er am Sonntag früh auf seine Freundin Maria Magdalena. Als sie ihn erkennt, will sie ihm vor lauter Wiedersehensfreude direkt um den Hals fallen. Aber er blockt ab. Verweigert ihr den Körperkontakt. Erlässt ein Kontaktverbot: „Fass mich nicht an!“, sagt er. Circa 2000 Jahre vor dem Corona-Virus! Fehlte nur noch die Maske!

 

Und dies ist also das erste Mal, dass jemand den auferstandenen Jesus trifft und erkennt? Auf 1 Meter 50 Distanz? Warum so emotionslos?

 

Vorausgegangen war die Kreuzigung zwei Tage vorher am Freitag.

Am Sonntag früh kommt Maria nochmal auf den Friedhof zurück. Sie will sich einfach nicht damit abfinden, dass ihr Freund tot ist; dass er weg ist, dass von heute auf morgen alles anders ist.

 

Mitten in ihrer grauen Trauerstimmung steht er nun plötzlich vor ihr und spricht mit ihr. Und zwar so, dass sie ihn sofort erkennt. Er sagt ihren Namen, und plötzlich ist alles wieder da. Die gute Zeit mit ihm. Die vielen Gespräche über ihr Leben. Mitten auf dem Friedhof, wo sonst nur Tote liegen, hat sie plötzlich das Gefühl, dass er da ist. Klar, dass sie ihn jetzt festhalten will, nicht mehr loslassen, nicht noch einmal verlieren.

 

Doch er will partout nicht angefasst werden. Dabei ist Maria Magdalena doch keine Fremde, sondern im Gegenteil eine gute Freundin, die ihm auch nach seinem Tod die Treue hält. Es wird sogar erzählt, dass sie ihm die Füße eingeölt und massiert hat – von Abstand zwischen Jesus und Maria Magdalena also keine Spur! Naher, physischer Kontakt!

 

Doch jetzt, nach der Auferstehung, hat sich etwas geändert. Die Nähe zwischen Jesus und Maria ist zwar sofort wieder da, als er sie bei ihrem Namen nennt. Aber es ist eine andere Nähe, eine Nähe ohne Körperkontakt.

 

Ob Sie jetzt an Auferstehungsgeschichten glauben oder nicht: Das ist doch die Nähe, die wir uns wünschen, jetzt, wo körperliche Nähe in Verruf geraten ist. Innerlich berührt werden statt äußerlich. Verstanden werden. Beim eigenen Namen gerufen. Mich jedenfalls erinnert diese Geschichte daran, dass ich anderen Menschen auch ohne körperliche Nähe nahe sein kann.

 

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

 

 

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