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Kirche in WDR 3 | 04.01. 2019 | 07:50 Uhr

Sanftmut – nichts für Schwächlinge und Feiglinge

Guten Morgen!

Sie erschrecken und erschüttern mich. Menschen, die anderen Wut entbrannte und Hass erfüllte Gesichter zeigen. Mit verzerrten Mienen und sich überschlagenden Worten schreien sie ihre Ansichten in die Mikrofone. Man sieht sie oft bei den Demos, bei denen gegen die angebliche Auflösung der westlichen - vor allem der deutschen - Kultur protestiert wird. Diese Gesichter geben sich stark und empören sich über die schwächliche und nutzlose Demokratie. Die muss weg, meinen sie. Der Demokratie verachten sie. Wollen sie sie wirklich gegen eine Diktatur eintauschen?

Ich frage mich: Tragen die mit den wütenden und verzerrten Gesichtern auch nur einen winzigen Beitrag zum Frieden bei? Was versprechen sie sich eigentlich von einer Diktatur? Noch nie hatten in einer Diktatur alle Menschen gleiche Rechte – von Freiheit und Gleichheit ganz zu schweigen.

In diesem Jahr haben die Bürgerinnen und Bürger Europas die Wahl zum Europäischen Parlament vor sich. Es ist die Gelegenheit dafür zu stimmen, dass die friedliche Entwicklung in Europa und darüber hinaus gefestigt wird. Und dabei kann die Bibel helfen. Es wird zwar immer von allen möglichen Politikern gebetsmühlenartig wiederholt, dass mit der Bergpredigt Jesu keine Politik zu gestalten sei. Aber das stimmt nicht. Im Gegenteil: Ich denke an den Satz Jesu aus der Bergpredigt: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.“ (Die Bibel, Luther 2017, Matthäus 5,5)

Das heißt für mich: Nicht die hasserfüllten Menschen, nicht die Gewalttäter haben eine Zukunft, sondern die wirklich Starken. Das sind die, die mit sanftem Mut und Freundlichkeit auf dieser Erde für die Menschen da sind. Sanftmut ist der Weg des gewaltlosen Widerstands gegen das Böse in der Welt.

Diesen Weg hat der Bürgerrechtler und Pastor Martin Luther King konsequent beschritten. Er setzte sich ein für gewaltlosen Widerstand gegen das himmelschreiende Unrecht der Diskriminierung der schwarzen Menschen in Amerika. Vor sechzig Jahren hat er geschrieben:

Sprecher: „Die Frucht des gewaltlosen Widerstandes ist eine neue innige Gemeinschaft, während die Folge der Gewalttätigkeit tragische Verbitterung ist.“ (1)

King war überzeugt, dass Gewalt wieder Gewalt und immerzu neue Gewalt nach sich zieht. Deshalb betonte er: Der Weg des gewaltlosen Widerstandes ist kein Weg für Feiglinge. Er meint:

Sprecher: „...der Anhänger des gewaltlosen Widerstandes ist nur insofern passiv, als er seinen Gegner nicht physisch angreift; sein Geist und seine Gefühle aber sind immer aktiv. Sie versuchen ständig, den Gegner zu überzeugen, dass er im Unrecht ist. Die Methode ist körperlich passiv, aber geistig aktiv. Es ist keine Widerstandslosigkeit gegenüber dem Bösen, sondern aktiver gewaltloser Widerstand gegen das Böse.“ (2)

Diese Politik aus dem Geist der Bergpredigt ist nicht erfolglos gewesen. Martin Luther King und viele andere haben im Geist Jesu gehandelt. Das gehört zur christlich geprägten Kultur. Sie gilt es zu schützen, ganz gewiss; aber das gelingt nicht mit Hass, sondern im Geist der Liebe und Sanftmut Jesu. So kann Politik auch gestaltet werden.

Davon bin ich überzeugt.

Ihr Pastor Rüdiger Schnurr aus Siegen.

(1) Martin Luther King, Mein Weg zur Gewaltlosigkeit (1958), in: Ders., Schöpferischer Widerstand, Gütersloh 1985, S. 30.

(2) Ebd.

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