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Kirche in WDR 2 | 19.02.2019 | 05:55 Uhr

Schonungslos

Ich kann mir die langen Gesichter der PR-Strategen um Papst Franziskus vorstellen. Vor zwei Wochen im Papstflieger hat er den GAU ausgelöst, den Größt-Anzunehmenden-PR-Unfall. Das war auf dem Rückflug aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, von einer Reise, die mit Fug und Recht historisch genannt werden kann. Das erste Mal, dass ein Papst seinen Fuß auf die arabische Halbinsel setzte, auf die Heimatregion des Islam. Was waren das für Tage! Papst Franziskus und hochrangige Islam-Vertreter haben wichtige Worte gesprochen und Zeichen gesetzt zum Frieden zwischen Christentum und Islam. Nicht nur für vatikanische PR-Strategen war das ein Fest, das war es für alle, die noch daran glauben, dass Christen und Muslime auch friedlich miteinander leben können.

Und dann der Rückflug und die obligatorische freie, „fliegende“ Pressekonferenz. Da zündet der Papst die PR-Bombe: ja, er wisse, dass es auch Missbrauch von Priestern und Bischöfen an Nonnen hat. Weltweit. Und: er ahne, dass das auch heute noch passiert.

Von da ab schrieb keiner mehr vom Frieden zwischen den Religionen, von dem historischen Besuch. Schlagzeilen machte, einmal mehr, der Missbrauch in der Katholischen Kirche. Geht es noch schlimmer? Wenn sich sogar Priester an Nonnen vergehen – wer kann dem Laden dann noch trauen?! Vielleicht haben die PR-Strategen sich gedacht „Dem Mann ist einfach nicht zu helfen.“ Ich habe mir gedacht: Der Mann schont sich nicht. Und er schont die Kirche nicht. Und das ist gut so. Papst Franziskus wusste wohl, dass er mit der Aussage alles Freudige der vorigen Tage in Schatten stellt. Aber – er wurde gefragt und es wurde Zeit, davon zu sprechen.

Ich meine, er wird nicht der erste Papst gewesen sein, der davon gehört hat. Vor Jahren hat der Münsteraner Kirchengeschichtler Hubert Wolf haarklein durch Quellenstudien in den geheimen Archiven des Vatikan einen kolossalen Missbrauchsskandal im Inner Circle des römischen Klerus aus dem 19. Jahrhundert aufgedeckt in seinem Buch: „Die Nonnen von Sant Ambrogio“. Da steht alles drin: geistlicher und körperlicher Missbrauch unter dem Deckmantel von angemaßter Heiligkeit. Was Papst Franziskus unterscheidet von seinen Vorgängern: Er hat da hingeschaut. Und: Er hat den Missbrauch beim Namen genannt. Endlich. Auch er wollte vieles lange Zeit nicht so ungeschönt wahrnehmen, wie er es selbst an anderen Stellen eingefordert hat. Das belegen Dokumentationen aus seiner Zeit als Bischof in Argentinien. Aber mir scheint: Jetzt endlich blickt er darauf ohne Wenn und Aber. Und das bedeutet auch: Er selbst begibt sich in die Schusslinie. Schonungslos.

Das wird höchste Zeit, denn weltweit ist das Gebaren der Kirche zum Thema Missbrauch zum Krebsgeschwür geworden, das mittlerweile die überlebenswichtigen Organe angreift. Jetzt hilft nur noch die Chemo – um im Bild zu bleiben. Wenn die Wahrheit frei macht, wie es im Neuen Testament heißt, und die Kirche davon überzeugt ist, dann muss nun ohne Kompromisse hingeschaut werden, selbst, wenn noch mehr Haarsträubendes zu Tage tritt.

Ende dieser Woche wird Papst Franziskus die Bischöfe der Welt in Rom empfangen zu einer Dringlichkeitssitzung in Sachen Missbrauch. Neben dem ungeschönten Blick auf das, was war und was ist, soll es auch Zeichen der Buße geben. Ja, das macht den Missbrauch nicht ungeschehen, aber ich denke, es ist Zeit, dafür einzustehen, dass Jahre lange, Jahrzehnte lang weggeschaut wurde. Und den Opfern kein Glauben geschenkt wurde. Wenn die Wahrheit frei macht und die Kirche dieser Botschaft verpflichtet bleiben will, dann darf sie nicht auf gute PR hoffen, sondern darf sich nicht schonen und muss den Opfern Recht verschaffen.

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