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Kirche in WDR 5 | 10.10.2020 | 06:55 Uhr

sicher wohnen!?

Guten Morgen.

Auf seiner Wanderschaft durch Galiläa sagt Jesus einmal zu einem, der ihm nachfolgen will:

 

Sprecher: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; ich aber habe keinen Ort, wo ich mein Haupt hinlegen kann“. (Die Bibel, Matthäus 8,20)

 

Das bedeutet, ein Leben ohne Sicherheit und Ruhe. Jesus ist immer unterwegs und alle, die mit ihm gehen wollen, auch.

 

Dieser Text aus dem Matthäus-Evangelium in der Bibel fällt mir ein, wenn ich momentan die vielen Wohnungslosen in der Kölner-Innenstadt sehe, besonders um den Dom herum. Jesus von Nazareth war auch ein Wohnungsloser. Immer auf dem Weg, nie auf sicherem Terrain, immer allen anderen ausgesetzt. Und dieses Ausgesetzt-Sein der Wohnungslosen und Bettler fällt jetzt besonders auf, weil es wieder quirlig geworden ist in der Innenstadt.

 

O-TON 1 (Domstimme laut)

 

Alle sind wieder da und der Kontrast ist groß zwischen denen, die in die Stadt strömen, weil sie endlich wieder einkaufen können und denen, die auf eine kleine Spende warten oder in den Mülleimern nach Essbarem suchen.

Ganz im Gegensatz zum Lockdown. Da herrschte nämlich gespenstische Ruhe um den Dom herum.

 

O-Ton 2 (Domstimme leise)

 

Keine Musik, keine Stimmen, nur der Wind und Vogelgezwitscher. Doch auch wenn kaum jemand zu sehen und zu hören war, das heißt nicht, dass es keine Wohnungslosen oder Bettler gegeben hat. Es gibt sie immer. Während der ganzen harten Coronazeit haben sie ihre Stellung gehalten: die Stillen, die Aushalter, die, die einfach immer da sind.

Da ist der Mann mit dem blauen Ringelpullover und dem Schnurrbart; da ist die Frau mit der Hautkrankheit, der junge Typ mit der Lidl-Tasche und die alte Dame, die auch bei Regen und Wind keine Strümpfe trägt. Ich habe sie gesehen. Jeden Tag. Manche haben sich zwischen den Dompfeilern eingerichtet, wo sie ein wenig vor Wind geschützt sind, manche haben mitten auf der Einkaufsstraße ihr Lager aufgeschlagen. Ihr Hab und Gut eng bei sich.

Sie haben nicht gebettelt, sondern – so schien es mir- sie haben gewartet. Worauf? Es kam doch keiner vorbei, der etwas hätte in den Hut oder Becher werfen können.

Mir kam es vor, als wollten sie einfach ihren Arbeitsplatz nicht aufgeben. Vielleicht auch ihr kleines Zuhause. Vielleicht war es auch ein Warten darauf, dass die Zeiten wieder besser werden?

Und das alles neben dem Dom, dem Haus Gottes. Kein Mensch im Dom, aber gar nicht wenige Wohnungslose standen oder saßen um den Dom herum. Als würden sie ihn bewachen.

Für die vielen Männer und Frauen ohne Wohnung war und ist ihr Stammplatz gleichzeitig auch ihr Homeoffice. Hier warten sie auf eine kleine Spende. Für etwas zu Essen, für die Übernachtungsstelle, für etwas, das sie brauchen für ihr Überleben.

Wenn ich morgens und abends die Domplatte überquere, erinnern sie mich daran, wie viele Menschen hier und auf der ganzen Welt ein ungeschütztes Leben führen müssen. Wie viele wie Jesus keinen Platz haben, wo sie ihr Haupt hinlegen können. Kein Nest. Keine Höhle zum Verkriechen.

Wie zerbrechlich die Vorstellung einer sicheren Wohnung ist, denke ich. Nichts ist selbstverständlich.

 

Ich wünsche Ihnen einen guten Morgen und ein Herz für alle, die nicht sicher wohnen, Ihre Pfarrerin Nicola Thomas-Landgrebe aus Köln.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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