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katholisch

Kirche in WDR 2 | 16.10.2019 | 05:55 Uhr

Sostrup

Kein Telefon, Radio oder Fernsehen. Besuche nur stundenweise, Briefe werden offen abgegeben und ggfs. auf ihren Inhalt hin kontrolliert. Strenges Schweigen, um punkt neun Uhr wird das Licht gelöscht und was gelesen wird, bestimmt jemand anderes.... und harte Strafen bei Verfehlungen. Nein, ich rede hier nicht von einem Gefängnis, sondern von meiner Zeit in einem kontemplativen Kloster vor ca. 28 Jahren. Und ich habe schon länger überlegt, ob ich über diese Zeit hier einmal sprechen soll. Vor einem Jahr kam die Missbrauchsstudie in der Katholischen Kirche heraus. Und im Zuge dessen wurde erstmals auch in breiter Öffentlichkeit über geistlichen Missbrauch in den Klöstern gesprochen. Ich habe diesen Machtmissbrauch erlebt.

Mit 17 Jahren ließ ich mich von einer ebenfalls jungen und charismatisch erscheinenden Nonne für das Klosterleben begeistern. Und trat schon mit 21 Jahren dort ein. Umworben und angelockt vom Leben mit Gott.

Schnell aber habe ich herausgefunden, dass es nicht um mich als Person ging, sondern um mich als junges Gesicht - das Kloster sollte jung und dynamisch wirken. Nach außen hin wurde dieses Bild über viele Jahre aufrechterhalten. Nach innen, herrschte absoluter Gehorsam und der Auftrag zu lächeln, zu singen und die fröhliche Nonne zu sein. Viele Nächte habe ich geweint, an mir gezweifelt, weil ich es nicht spürte, weil ich in mir Kritik und Zweifel hatte. Ich quälte mich durch die Tage, die nachts um 3 Uhr anfingen und um punkt Einundzwanzig Uhr endeten. Dazwischen Arbeit, Gebet, Essen, Unterricht über das, was theologisch richtig sei. Es gab auch Schönes. Lustige Erholungszeiten, manchmal sogar ein Strandspaziergang mit Eis oder gar baden oder fernsehen. Gerade so, um uns bei Laune zu halten. Wir waren alle jung, voller Lebensdurst. Bei vielen ist dieser Durst erloschen. Sie funktionierten, lächelten auf Knopfdruck und haben aufgehört zu denken. Das machte nur Probleme und kam vom im Übrigen vom Teufel. Ich habe das Kloster nach einigen Jahren verlassen. Mit einem schlechten Gewissen. Denn es hat gedauert, bis ich gemerkt habe, dass nicht mit MIR etwas nicht stimmte, sondern mit dem System dort. Mit dem Machtmissbrauch der Obersten. Ich war Opfer. Das zu ertragen war erstmal schwer. Musste ich es doch vor mir selbst rechtfertigen da mitgemacht zu haben. Aber mit Hilfe lieber und fachlicher Menschen konnte ich darüber reden und mich wehren. Vor allem konnte ich den Verantwortlichen in der Kirche davon erzählen. Trotzdem hat es sehr lange gedauert, bis endlich etwas passierte und auch nur, weil weitere Schwestern austraten und ähnliches erzählten. Und trotzdem besteht dieses System weiter – akzeptiert von Kirchenoberen.

Diese Erfahrung hat mich stark gemacht, gegen Machtmissbrauch anzugehen, egal wodurch und wo er geschieht. Ob durch Chefs in Firmen, Ordensobere, Priester, Politiker, Ehepartner oder wem auch immer. Ich will all denjenigen Mut machen, niemals den Mund zu halten. Vertraut euch selbst. Innere Freiheit ist ein hohes Gut. Egal ob in unserer Gesellschaft oder in der Kirche.  Wir müssen aufstehen, gegen Machtmissbrauch und Herabwürdigung anderer. Der Mensch ist wertvoll. Jeder!

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