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Kirche in WDR 5 | 07.09.2020 | 06:55 Uhr

Sparsam leben – ein Trend

Guten Morgen.

„Mit 40 will ich nicht mehr arbeiten. Da will ich nicht mehr selbst im Lokal stehen. Dann muss es von alleine laufen.“ Vor mir sitzt ein frisch gebackener Familienvater Anfang 30, der gerade sein erstes Restaurant eröffnet hat. Das ist schon etliche Jahre her. Ich war damals schon fast 40 und konnte mir das überhaupt nicht vorstellen. Aber irgendwie hat mich dieser Satz all die Jahre nicht losgelassen. Und vor einiger Zeit habe ich von einem jungen Mann gelesen, der dasselbe Ziel hat. Er arbeitet regelrecht daraufhin, mit 40 ausgesorgt zu haben. Lebt sparsam, spielt abends mit Freunden Skat, statt ins Kino oder etwas Trinken zu gehen, fährt Fahrrad statt Auto oder Bahn, geht im Urlaub in deutschen Landen wandern statt Kreuzfahrten zu machen und legt das Gesparte zurück oder vernünftig an. Er möchte einfach möglichst früh nicht mehr gezwungen sein zu arbeiten, um Geld zu verdienen. Ab der Lebensmitte will er nur noch das tun, was für ihn gerade Sinn macht. Das kann auch eine Arbeit sein. Aber vielleicht engagiert er sich auch ehrenamtlich, oder er verbringt nur noch Zeit mit der Familie. Er gehört zu den sogenannten Frugalisten. Das Wort stammt vom englischen Wort „frugal“ ab. Das bedeutet: schlicht, sparsam oder genügsam. Frugalisten sparen große Teile ihres Einkommens, um dem für sie langweiligen „Standard-Lebensmodell“ `Tag für Tag Geld verdienen und wieder ausgeben` irgendwann zu entkommen. Im Internet rechnen sie vor, wie ihnen das gelingt. Gut und ohne große Entbehrungen. Und geben Tipps. - Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Warum nicht so leben, wie es hierzulande üblich ist? Manche arbeiten gerne, sogar bis übers Rentenalter hinaus. In diesen Corona-Zeiten lernt man seine Arbeit ja auch wieder neu zu schätzen und ist froh, wenn man eine hat. Und immer mehr Menschen stemmen neben Beruf und Familie noch ein Ehrenamt, das sie erfüllt. Was mich an diesen Frugalisten beeindruckt ist, wie bewusst sie von Jung auf ihr Leben gestalten und auskosten. Sich fragen, was sie persönlich vom Leben erwarten, was ihm Sinn gibt, was ihr Platz in dieser Welt ist, ihr Beitrag, dass sie ein bisschen besser wird. Innerlich komplett unabhängig davon, wie man so gängigerweise sein Leben zubringt. Sie warten nicht, bis sie irgendwann die Midlife-Crisis erwischt und sie die Notbremse ziehen müssen. Sie verschleudern nicht wertvolle Jahre ihres Lebens, um sich das eigentliche Leben für den Ruhestand aufzuheben. Sie scheinen genau zu wissen, wo sie mit ihrem Leben hinmöchten.

Ist das nicht gemeint, wenn es im 39. Psalm in der Bibel heißt: „Gott, lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss?“ (Die Bibel, Psalm 39,5) Und ist nicht genau diese Haltung gemeint, wenn eine der ersten christlichen Gemeinden vor 2000 Jahren schon ermahnt wird:

„Darum achtet genau auf eure Lebensweise! Lebt nicht wie Unwissende, sondern wie Menschen, die wissen, worauf es ankommt und die deshalb ihre Zeit in der rechten Weise nutzen.“ (Die gute Nachricht, Epheser 5,15.16)

 

Der junge Mann von damals hat übrigens mittlerweile mehrere Restaurants und einen Lieferservice aufgemacht. Ob er selbst noch da arbeitet weiß ich nicht. Ich sollte mal wieder vorbeischauen.

 

Ihre Pfarrerin Barbara Schwahn, Meerbusch.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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