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Sonntagskirche | 01.08.2021 | 08:55 Uhr

Ton in Ton

Autorin: Guten Morgen.

Jule ist gerade aufgestanden. Noch etwas verschlafen kocht sie sich ihren Tee. Sie hält den Teefilter fest, während sie das heiße Wasser aufgießt.

Dabei fällt ihr Blick auf ihre linke Hand.

Da hat sich ein neuer Altersfleck gebildet, genau unter der kleinen Mulde zwischen Daumen und Zeigefinger, eine Stelle ihres Körpers, die sie sehr mag.

Von dem kleinen Fleck, den sie überraschend gut akzeptieren kann, gleitet ihr Blick über die Handfläche und die Finger.

Sie stellt die Kanne ab und hält ihre beiden Hände nebeneinander.

Was haben diese Hände nicht schon alles geleistet.

Getragen und gehalten, gestreichelt und gearbeitet.

Wie oft schon hat sie morgens ihren Tee mit ihren Händen zubereitet.

Wie oft schon hat sie den Briefkasten geleert, die Wäsche angestellt, den Balkon bepflanzt.

Und so oft durften diese Hände das tun, was sie am liebsten machen: töpfern. Sie tauchen ein in die feuchte kühle Masse und formen. Nicht das Ergebnis zählt. Die Schönheit des Seins beginnt für sie in einem Stück Ton, das sie formen darf.

 

Sprecher: „Aber nun, Gott, du bist unser Vater, unsere Mutter,

wir sind der Ton, du bist die Töpferin, wir alle sind das Werk deiner Hände.“ (Die Bibel in gerechter Sprache, Jesaja 64,7)

 

Autorin: Wenn sie töpfert, ist sie ganz versunken und gibt sich dem Gefühl und dem Material hin.

Die Details, der Moment, das Werden…

Jedes Gefäß, das zwischen ihren Fingern entstanden ist, ist anders als alle anderen. Jede Vase, jede Schale hat etwas ganz Besonderes. Eine kleine Veränderung in der Bewegung ihrer Finger gibt jedem getöpferten Stück etwas Einzigartiges.

Jule betrachtet ihre Finger. Im Licht der hellen Morgensonne kann sie die feine Musterung an den Fingerspitzen erkennen. Ihren Fingerabdruck. Auch einzigartig.

Manchmal muss sie unweigerlich an die Töpferkunst denken, wenn sie mal wieder Besonderheiten oder Macken an sich selbst oder anderen entdeckt.

Gerade an den Stellen, wo der Abdruck ihres Fingers im Ton nicht gut genug verwischt ist, erkennt sie ihre künstlerische Handschrift.

Jule dreht ihre linke Hand und ihr Blick fällt wieder auf die kleine Pigmentierung unter der Mulde neben ihrem Daumen. Ob der Altersfleck auf ihrer Hand auch ein Zeichen einer Handschrift, einer schöpferischen Kraft ist? Gar eine Art Fingerabdruck? Ein Fingerabdruck Gottes?

In den sanften Momenten des Lebens fühlt es sich so an.

So wie jetzt gerade. Sie trinkt einen Schluck Tee.

Er gibt Energie und stärkt sie für ihren langen Weg.

Ein Weg, auf dem sie geworden ist, wie sie ist. Durch das, was sie geschenkt bekommen hat, und das, was sie geprägt hat.

Und sie empfindet eine tiefe Freude darüber, dass auch sie mit ihren eigenen Händen in dieser weiten Welt kleine Welten erschaffen kann.

Ich wünsche Ihnen einen schöpferischen Sonntag .

 

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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