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Kirche in WDR 3 | 30.10.2019 | 07:50 Uhr

Tradition - Demokratie für die Toten


„Ich gehe, wie ich gekommen bin.“ Zwei Wochen vor seinem Tod teilt der Schriftsteller Thomas Bernhard einem Freund beiläufig mit: Er werde dieses Jahr nicht überleben. Eine Herztransplantation lehne er in seinem Alter ab. „Ich gehe, wie ich gekommen bin: unbemerkt.“

Auch mein Vater ging unbemerkt. In der dunklen Frühe eines Sonntagmorgens. Wir hatten uns vom Beerdigungsinstitut Zeit zum Abschiednehmen erbeten. Als man ihn am späten Sonntagnachmittag aus dem Haus getragen hatte, ging ich lange schweigend durch den Garten. Alles erzählte von ihm: die Rosenbeete, die Hecken, der Rasen, die Bäume, die Sträucher – all das hatte er gepflanzt und gepflegt, bis wenige Monate vor seinem Tod. Und im Haus und in der Werkstatt: alles hatte er irgendwann einmal eingebaut, umgebaut, erweitert, erneuert. Es war für mich – ähnlich wie am Sterbebett – die Erfahrung einer unbegreiflichen Gegenwart. So still und unbemerkt sein Sterben war, so redselig erzählte nun alles von ihm. In all dem war er da. Und über all das hinaus war er da. Näher als nah.

„Haben Sie Freunde unter den Toten?“ fragt der Schriftsteller Max Frisch. Der Abbruch unserer Beziehung zu den Toten ist für die Toten wie ein zweiter Tod. Und uns katapultiert er aus dem Zusammenspiel des Lebens, das uns trägt und prägt.

Ich stehe klarer zu mir, wenn ich in Beziehung stehe - auch mit den Verstorbenen! Sie dürfen mitbestimmen, wie es gut weitergehen kann in meinem Leben. Selbst dort, wo ich mich bewusst anders entscheide, als sie sich entschieden haben. „Tradition ist Demokratie für die Toten“, meint der Schriftsteller Chesterton.

Das trifft auch auf „alle Heiligen“ und „alle Seelen“, also alle Menschen zu, an die die katholische Kirche in diesen Tagen besonders erinnert. Die Verstorbenen sollen mein Leben nicht bestimmen. Aber sie dürfen mitbestimmen in der Demokratie der Lebenden und Toten. Ich habe mich in ihrer Gemeinschaft entwickelt, um meinen Weg mit anderen Menschen heute weiterzuentwickeln. Was ich von den verstorbenen Familienangehörigen und Freunden, von Psychologinnen und Begleitern mitbekommen habe, ist eine unerschöpfliche Lebensquelle für mich. Sie hört nie auf zu fließen. Diese Verbindung erfrischt und fördert mich.

Und so möchte ich heute beten: Gott, ich denke nicht oft an die Toten. Aber ich ahne ihre Gegenwart in Deiner göttlichen Gegenwart. Und ich spüre: Die Verbindung bleibt.

Gehen Sie gut verbunden durch diesen Tag!

Spiritual Georg Lauscher aus Aachen



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