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Kirche in WDR 4 | 18.04.2019 | 08:55 Uhr

Esseneinstellungen

Esseneinstellungen

Paläo, low-carb, high-protein, ketogen, basisch, vegetarisch, vegan … Schon mal was von Foodamentalismus gehört? Ernährungswissenschaftler nennen diejenigen Foodamentalisten, die beim Essen nicht mehr zwischen gesund und ungesund unterscheiden, sondern zwischen Gut und Böse. Die suchen den Satan in der Cervelatwurst.

„Essen als die neue Religion“ – das können Sie landauf landab lesen, nicht nur in Ernährungsratgebern. Und als Theologe, der sich im Studium auch mit der Religionskritik rumschlagen musste, denke ich heute an den alten Feuerbach.

Ludwig Feuerbachs Kritik an der Religion schlug vor bald 180 Jahren ein wie ein Bombe. Alles Menschenwerk, sagte Feuerbach. Und brachte es, passend zum Thema Essen, auf eine kurze Formel: „Der Mensch ist, was er isst.“ Das könnte das Credo einer jeden Essensreligion sein. Der Mensch ist, was er isst – mehr nicht, könnte man ergänzen. Und warum denke ich gerade heute daran? Na, weil heute zigmillionen Christen auf der Welt ein Essen feiern. Heute ist der Tag, an dem das letzte Abendmahl stattgefunden haben soll. Heute ist Gründonnerstag.

Und ich erinnere mich dieses Jahr besonders daran, weil ich Anfang des Jahres auch eine Ernährungsumstellung gemacht habe. Dabei musste ich auf alles Mögliche verzichten: Auf Zucker, auf Fett. Brot war tabu über 4 Wochen. Ich habe das gemacht, weil ich 10 Kilo runter haben wollte. Das hat auch geklappt. Und obwohl ich das konsequent gemacht habe, habe ich mir einmal in der Woche einen kleinen theologischen Luxus gegönnt.

Nämlich am Sonntag. Da bin ich zum Abendmahl gegangen, zur Eucharistie. Obwohl die Hostie ja Brot ist und ich das meiden sollte, wie der Teufel das Weihwasser. Aber ich bin dahin gegangen, wie immer. Und ich habe mir gesagt: ist ja der Leib Christi, kein Brot.

Ich weiß, das klingt jetzt den einen zu flapsig, für andere ist das total verquast. Aber: Wenn ich in der Messe die Kommunion in die Hand gelegt bekomme und gesagt wird „Der Leib Christi“, dann sage ich: Amen. Also: ich bezeuge, dass ich daran glaube. Wohlgemerkt, ich weiß auch nicht genau, wie das passiert. Sonst würde ich es wissen, nicht glauben. Aber ich erkläre es mir ungefähr wie folgt: Ein Foto ist im Grund ja nichts anderes als Druckfarbe auf Papier. Und dennoch würde es mir sehr schwer fallen, ein Foto von meiner Mutter zu zerreißen. Denn, das Foto meiner Mutter ist eben nicht nur Farbe auf Papier.

So ähnlich sehe ich das bei der Eucharistie. Da bin ich mit meinem Glauben widerständig zu den Feuerbachs dieser Welt, die da sagen: es ist nur, wie es ist. Oder: Der Mensch ist, was er isst. Ich glaube daran, dass da mehr ist: in uns Menschen, im Leben, in dieser Welt. Mehr als das, was ich zählen, wiegen, messen kann.

Und ich finde das sehr sympathisch, dass das Christentum im Grunde bei einem Abendessen entstanden ist, das so viel mehr war als ein einfacher Snack. Das letzte Abendmahl, das die Christen heute besonders feiern, wird auch das das „Mahl der Liebe“ genannt. Das gefällt mir. Es macht etwas mit denen, die sich auf dieses Mahl einlassen. Jahrhunderte bevor Feuerbach gesagt hat „Der Mensch ist, was er isst“, hat der weise Kirchenvater Augustinus das auf Formel gebracht: „Werde, was du empfängst: Leib Christi. Empfange, was du bist: Leib Christi.“[1] Dazu kann ich als Christ ja sagen. Daran habe ich über die Jahre Appetit gefunden.

[1] Augustinus, zitiert nach: https://www.abtei-st-hildegard.de/abtei-st-hildegard-gott/.

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