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Hörmal | 17.01.2021 | 07:45 Uhr

Verschickungskinder

Verschickungskinder – haben Sie das Wort schon mal gehört? Vielleicht sind Sie ja selbst so ein Verschickungskind. Verschickungskinder – das sind die, die auf Kosten der Krankenkasse Urlaub gemacht haben. Damals zwischen 1950 und 1980. Die gesundheitliche Probleme hatten. Oder, deren Eltern einfach kein Geld hatten– für einen Familienurlaub.

 

Bei Anne ist es die Tante, die die Idee mit der Verschickung hat. Sie arbeitet bei der Inneren Mission. Heute heißt das Diakonie. Die Tante hat immer gesagt. Der Schwarzwald – das ist das Beste, was Dir passieren kann. Ein Sechser im Lotto. Als Anne verschickt wird, ist sie sechs Jahre alt. Sie ist zu dünn und wird deshalb zugefüttert – sie muss so viel essen, bis sie sich übergeben muss. Anschließend muss sie das Erbrochene aufessen. Nachts darf sie nicht auf Toilette. Wenn sie ins Bett macht, wird sie am nächsten Morgen verprügelt. Und tagsüber: da quälen sie die anderen Kinder: weil sie zu dünn ist, zu jung, zu lieb, zu wenig Assi. Einmal die Woche muss sie eine Karte an ihre Eltern schreiben. Der Text wird ihr diktiert: „Die Tanten sind sehr nett“, schreibt sie. Daneben malt sie ein schwarzes Haus – ein Hilferuf an die Eltern. Die Erzieherin schreibt: Anne hat kein Heimweh.

 

Ein Sechser im Lotto – die Verschickung in ein Heim – das Kinder quält –zum Essen zwingt, mit Gewalt einfüttert, mit Schlafentenzug bestraft oder sie an`s Bett fesselt?

Leider kein Einzelfall, sondern Alltag in den Erholungsheimen von 1950 bis 1980.

Hunderttausende haben dort großes Leid erfahren. Viele sind bis heute traumatisiert.

 

Was fehlt ist ein Schuld Eingeständnis der verschiedenen Träger: Ja, das ist so gewesen. Das war nicht normal. Deine Wahrnehmung trügt nicht. Nicht nur du hast das erlebt. Tausende andere auch. Euch müssen wir um Verzeihung bitten.

 

Die Diakonie in Niedersachsen hat das jetzt getan: als erster Verband in Deutschland. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Dokumentation. Dort heißt es, dass viele Verschickungskinder „in ihren Kuren Kälte, Drangsalierungen und Leid erfahren mussten“. „Dass sie Misshandlungen und Demütigungen ausgesetzt waren.“

 

Das Eingeständnis von Schuld, die ernste Bitte um Entschuldigung, die Bereitschaft, die Geschichte der Verschickungskinder wissenschaftlich aufzuarbeiten und Hilfe anzubieten,– das ist doch wohl das Mindeste, was man als Verschickungskind erwarten darf. Wie lange will die Diakonie – wollen die diakonischen Werke der verschiedenen Landeskirchen, die anderen Wohlfahrtsverbände wie die AWO und das DRK denn noch warten? Die Verschickungskinder der ersten Stunde sind heute über 70. Es wäre schön, wenn ihr Warten ein Ende hat in ganz Deutschland. Damit sie sterben können – mit dem Gefühl: nicht ich bin falsch, sondern die waren falsch.

 

Quellen:

Diakonie: Verschickungskinder mussten Kälte und Leid erfahren,

in: www.diakonie-in-niedersachsen.de, zuletzt aufgerufen am 6.1.2021

 

Studie: Verschickungskinder erlitten in Kuren Qual und Leid, in: www.ndr.de,

publiziert am 30.11.2020, zuletzt aufgerufen am 6.1.2021

 

 

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