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Kirche in WDR 5 | 04.11.2020 | 06:55 Uhr

Vom Hören

Guten Morgen!

Nach der Andacht in der Nachbarkirchengemeinde gebe ich der Frau ein Zeichen, ihren Mantel anzuziehen und mir nach draußen zu folgen. Vor der Tür stehen wir noch zusammen – natürlich in dem gebotenen schon fast selbstverständlichen Abstand. Es ist zwar kalt, aber hier an der frischen Luft können wir unsere Masken abnehmen. Wir unterhalten uns über die Andacht, die ich in ihrer Gemeinde gehalten habe. Ich bemühe mich langsam zu sprechen mit fast übertrieben deutlichen Mundbewegungen. Das ist wichtig, denn die Frau mir gegenüber ist schwerhörig. Ich kenne sie schon einige Jahre. Wenn sie weiß, dass ich in ihre Gemeinde komme, bittet sie mich per Email: „Bitte lassen Sie mir doch vor der Andacht ihren Text zukommen, damit ich Ihrem Vortrag besser folgen kann.“ Dieser Bitte komme ich gerne nach.

Jetzt hier draußen geht es neben dem Thema der Andacht in unserem Gespräch auch um den Mund-Nasen-Schutz, den wir zu den öffentlichen Veranstaltungen tragen. Sie erzählt, wie schwer es ihr fällt, jemanden zu verstehen, der eine Maske vor dem Gesicht trägt. Natürlich, sie ist nicht taub – aber auch als Schwerhörige sind ihr Mimik und Mundstellung ihres Gegenübers eine große Hilfe. Außerdem verschluckt der Stoff das Wenige, das sie über das Gehör noch verstehen kann. Ich entgegne ihr, dass ich das gut nachempfinden kann. Es ist schwer jemanden einzuschätzen, dessen Mimik man nicht erkennen kann, das habe ich in den letzten Monaten oft erlebt. Man lächelt und lächelt und nichts kommt zurück. An der Reaktion der anderen merkt man, dass sie einen selbst nicht richtig einschätzen können. Und dass die normalen Stoff-Alltagsmasken viele Geräusche schlucken, hat schon zu einigen Missverständnissen geführt. Besonders für die etwas Älteren ist die Verständigung mit Maske schwieriger geworden.

Mein Gegenüber nickt nachdenklich. Dann sagt sie: „Das ist vielleicht das Gute an einer solchen Pandemie, dass alle mit ähnlichen Einschränkungen zu kämpfen haben und nun auch einmal ein Gefühl dafür bekommen, wie es manchen Menschen Zeit ihres Lebens geht.“

Damit hat sie wohl recht. Wir nehmen Vieles als selbstverständlich hin. Oft können oder wollen wir uns nicht in die Situation anderer Menschen und ihrer Schwierigkeiten einfühlen.

„Helft einander, eure Lasten zu tragen. So erfüllt ihr das Gesetz, das Christus uns gibt.“ (Gute Nachricht, Galater 6,2) So schreibt es der Apostel Paulus an seine Gemeinde in Galatien in der heutigen Türkei. Keiner soll sich über den anderen erheben oder meinen er sei besser oder habe es besser als andere. Stattdessen – daran erinnert der Apostel Paulus – ermutigt Jesus Christus mit den Worten: „Teilt miteinander das, was euch das Leben schwer macht. Dann wird es für alle leichter zu tragen.“

Sätze für alle Zeiten. Für damals und für heute. Diejenigen, die bisher ohne größere Schwierigkeiten durchs Leben gekommen sind, müssen sich nun an die neue Situation mit Hygieneregeln und Mund-Nasen-Schutz anpassen und Einschränkungen hinnehmen. Und damit kann bei ihnen das Mitgefühl für die Einschränkungen anderer wachsen.

Gott befohlen!

Ihre Johanna Krumbach, Pfarrerin in Augustdorf.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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