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Kirche in WDR 5 | 12.02.2021 | 06:55 Uhr

Weinen

Guten Morgen!

Jede und jeder von uns ist irgendwann einmal auf die Welt gekommen. Und wie die meisten von uns, habe auch ich nach der Geburt als erstes geschrien. Dicke Tränen sind dabei über meine Wangen gelaufen. Weinen müssen wir nicht lernen. Alle weinen. In ganz unterschiedlichen Situationen. Auch ich weine.

„Männer weinen nicht!“ So hat das mein Großvater noch gelernt. Zum Glück stimmt das nicht. Schon 1984 bekennt Herbert Grönemeyer: „Männer weinen heimlich“. Auch das ist Quatsch. Spätestens seit Beginn der 2000er sind Männer, die Gefühle zeigen in. Jedenfalls im privaten Raum.

Öffentlich seine Gefühle zu zeigen, fällt vielen einfach schwer – ganz gleich ob Frauen oder Männern. Mir auch. Dabei ist es ein starkes Zeichen. Ich merke das immer wieder. Ganz besonders fällt es mir bei denen auf, die sonst nie weinen. Die Queen von England zum Beispiel. Wenn Elisabeth II. ein Tränchen im Augenwinkel hat, kann man sicher sein, dass am nächsten Tag sofort davon berichtet wird.

 

Wir weinen aus ganz unterschiedlichen Gründen. Das merke ich an mir selbst. Ich weine aus Trauer, wenn ich einen lieben Menschen verliere. Ich weine, vor Lachen, wenn ich mich nicht mehr einkriege. Ich weine aus Rührung, bei einer herzzerreißenden Geschichte in den Nachrichten oder bei einer schnulzigen Filmszene.

 

Und dann gibt es da noch so viele Dinge über die ich aber nicht weine: Ungerechtigkeit, Hunger, Rassismus, Umweltzerstörung und so vieles mehr. Zum Heulen!

Als Jesus an Karfreitag am Kreuz hängt, sieht er die Frauen weinen. Er sagt ihnen: „Weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder.“ (Lukas 23,28)

 

„Tränen sind Fürbitten ohne Worte“, sagt der Landesbischof der hannoverschen Kirche Ralf Meister. Genau das meint Jesus, als er zu den weinenden Frauen spricht. Ich soll um mich und meine Kinder weinen. Um die frierenden, hungernden und kranken Kindern in den Flüchtlingslagern. Um das Hier und Jetzt und um die Zukunft. Um unsere Welt. Und das darf ich auch öffentlich. Vielleicht muss ich das sogar öffentlich; sichtbar für alle.

 

Tränen sind stark. Weinen muss ich nicht lernen. Wir alle weinen. Wenn ich andere weinen sehe, entsteht sofort ein Mitgefühl. Welche Mutter nimmt nicht das weinende Kind in den Arm? Wer würde nicht seinem besten Freund die Tränen von den Wangen wischen? Tränen wecken Gefühle; egal ob es die eigenen Tränen sind oder die von anderen. Auch das müssen wir nicht lernen. Es steckt tief in uns drin. Bis heute können Wissenschaftler nicht erklären, warum wir weinen. Es gibt keinen körperlichen Nutzen für das Weinen.

 

„Weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder.“ (Lukas 23,28)

„Tränen sind Fürbitten ohne Worte“.

Am Ende werden meine Tränenbitten erhört. Im letzten Buch der Bibel heißt es:

 

„Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

(Offenbarung 21,4)

 

Ihr Pfarrer Oliver Mahn aus Köln.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

 

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