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Kirche in WDR 2 | 26.02.2020 | 05:55 Uhr

Wir werden nicht vergessen

„Hallo?“ sagt seine Frau. Und dann noch mal, etwas lauter, aber immer noch vorsichtig: „Hallo?“
Doch er antwortet nicht. Atmet ruhig. Und sieht dabei ganz entspannt aus.
Sie klappt das Buch zu, aus dem sie ihm vorgelesen hat, und geht vorsichtig aus dem Zimmer.
Sie weiß, er wird nicht lange schlafen. Vielleicht nur ein paar Minuten. Dann wird er aufwachen, nicht wissen, wo er ist, und vermutlich um Hilfe rufen. Wenn sie dann kommt, wird er sich beruhigen. Weil er ihre Stimme mag und ihr Gesicht. Aber er weiß nicht, wer sie ist. Und auch nicht, dass sie seit über 40 Jahren verheiratet sind.

Zunächst hat alles nur nach ein bisschen Vergesslichkeit ausgesehen. Er hat kleine Scherze gemacht, um seine zunehmende Unsicherheit zu überspielen.
In seiner vertrauten Umgebung zu sein, hat ihm eine Zeitlang noch Sicherheit gegeben. Doch seit einer Weile erkennt er sein Zuhause nicht mehr. Und jetzt auch nicht mehr seine Frau.

Sie geht in die Küche und setzt einen Tee auf. Es tut schrecklich weh, so vergessen zu werden. Natürlich weiß sie, dass er nichts dafür kann. Aber dieses Wissen kann den Schmerz nicht lindern.
Als es ihm noch besser ging und sie ihn auch mal eine Stunde allein lassen konnte, ist sie am Sonntagmorgen gern in die Kirche gegangen. Das hat ihr gut getan. Mal herauszukommen aus ihrer Wohnung. In eine andere Umgebung, die ihr trotzdem vertraut ist. Auch jetzt wäre es gut, dort zu sein. Denn: Die Menschen in der Kirche haben sie bestimmt nicht vergessen. Auch nicht die Pfarrerin.

Die hat ihr bei einem ihrer letzten Besuche etwas mitgegeben, woran sie sich jetzt immer noch klammert. Einen Bibelvers. Gott sagt dort: „Ich habe dich in meine Hände gezeichnet. Selbst wenn dich alle Menschen vergessen und verlassen, kannst du sicher sein: Ich werde dich nicht vergessen, weil du mir immer vor Augen bist“ (nach Jesaja 49, 16).

Dieser Gedanke tröstet sie nach wie vor - auch jetzt, während sie den Tee aufgießt und dabei die ganze Zeit darauf wartet, dass ihr Mann wieder wach wird. Der Gedanke, dass es jemanden gibt, der sie nicht vergessen wird. Der sie immer vor Augen hat, in ihrem Alltag, in ihrer Einsamkeit und auch, wenn sie nicht weiter weiß. Dass Gott sie im Blick hat, egal, was passiert. Und auf diese Weise bei ihr ist. Das ist gerade jetzt, wo so vieles in ihrem Leben wegbricht, für sie eine echte Stütze.

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius
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