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Kirche in WDR 5 | 05.02.2026 | 06:55 Uhr
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Tränen
Guten Morgen.
„Da erhoben sie ihre Stimme und weinten bis sie nicht mehr weinen konnten.“ (Die Bibel, Luther 2017, 1. Sam 30,4) -
„Ich weine den ganzen Tag.“ Sagt er.
Tag und Nacht verfolgt er die Nachrichten aus dem Iran. Da ist er geboren, ist aber schon lange deutscher Staatsbürger.
„Wie geht es Deiner Mutter im Iran?“, frage ich. „Sie weint auch den ganzen Tag.“ Die Brutalität, mit der das Regime die Demonstrationen im Iran niedergeschlagen hat – ist unvorstellbar. Die Zahlen der Opfer so hoch wie noch nie.
„Da erhoben sie ihre Stimme und weinten bis sie nicht mehr weinen konnten.“ (Die Bibel, Luther 2017, 1. Sam 30,4)
„Mein Gesicht ist rot vom Weinen und auf meinen Wimpern liegt Dunkelheit.“ (Die Bibel, Luther 2017, Hiob 16,16)
Erst drei Jahre ist es her. Da erklingt in einer prall gefüllten Düsseldorfer Kirche das Lied: Baraye zan, zendegi, azadi. Das bedeutet „für Frau, Leben, Freiheit“. In diesem Lied klingt Protest gegen das iranische Regime: für das Tanzen auf Straßen. Für Studierende, für die Zukunft. Für alle, die verhaftet, misshandelt und zum Tode verurteilt werden.
Die Synode, das oberste Leitungsgremium der Evangelischen Kirche im Rheinland, hatte damals in Düsseldorf zu einem politischen Nachtgebet für die Demonstrierenden im Iran eingeladen, und rund 200 Menschen sind gekommen. An diesem Abend vor drei Jahren bekommen die Menschen im Iran eine Stimme. Menschen, deren Stimme im eigenen Land unterdrückt wird.
Damals schreibt die Evangelische Kirche im Rheinland in einer Solidaritätserklärung: Sie unterstütze das Ansinnen des EU-Parlamentes, die iranischen Revolutionsgarden auf die Liste der Terrororganisationen zu setzen. Doch erst jetzt nach den jüngsten Demonstrationen, die so blutig niedergeschlagen wurden, hat die EU damit Ernst gemacht.
Das „himmelschreiende Unrecht und die schweren Menschenrechtsverletzungen“ wie es in der Erklärung heißt – sie gehen weiter. Und auch in diesem Jahr erklärt die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland sich wieder solidarisch und fordert einen Abschiebestopp in den Iran.
Die Synode sagt: „Wir bewundern den Mut und die Entschlossenheit aller Demonstrierenden, die sich unter Einsatz ihres Lebens gegen die tödliche Ideologie des Unrechtsregimes wenden. (…) Unsere Gebete und Gedanken sind bei den Menschen im Iran und bei allen durch totalitäre Gewalt Verfolgten und Bedrohten in der Welt.“
So viele Tränen, Gott. So viel Unrecht. So viel Leid und Tod.
Sammle alle Tränen in deinen Krug, Gott. Höre die hörbaren und unhörbaren Schreie. Verschaffe ihnen Gehör. Schaff Gerechtigkeit. Erweiche die Herzen.
Verwandle die Tränen in Leben, in Frieden und Freiheit. Die ganze Schöpfung wartet darauf, dass Du sie erlöst.
(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )
Das ist mein Gebet für heute. Ihre Petra Schulze, Rundfunkpfarrerin in Düsseldorf.
Quellen: (alle Links zuletzt abgerufen am 03.02.26)
https://landessynode.ekir.de/aktuelles/landessynode-fordert-bundesweiten-abschiebestopp-in-den-iran-35682?ref=aHR0cHMlM0ElMkYlMkZsYW5kZXNzeW5vZGUuZWtpci5kZSUyRg==
https://landessynode.ekir.de/beitrag/landessynode-bekundet-solidaritaet-mit-protestierenden-im-iran/
https://landessynode.ekir.de/inhalt/protest-gegen-himmelschreiendes-unrecht-im-iran/
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-iran-revolutionsgarde-100.html
