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Hörmal | 14.05.2026 | 07:45 Uhr
Papas Himmelfahrt
Himmelfahrt. Tja…in Zeiten von neuen Mondmissionen denkt man ja bei dem Wort erstmal an Astronauten. Aber daran denken Christen bei ihrem Fest natürlich nicht. Und daher erzähle ich jetzt nichts von Alexander Gerst, sondern von meinem Vater. Ist ja auch Vatertag heute – da passt das vielleicht.
Als mein Vater vor 4 Jahren gestorben war, da hab ich das erste Mal so richtig Trauer durchlebt. Also diese Trauer, die ich körperlich gespürt habe, in meiner Kraft, auf meiner Seele. Meine Trauer war wie so ein Unterhemd. Die anderen haben das vielleicht nicht gesehen, aber ich hab sie immer mitgetragen. Oft war dieses Trauer-Unterhemd „kratzig“. Loslassen braucht Zeit. Ist nicht immer schön. Ich weiß nicht, wie oft ich diese Momente von: „das musst Du unbedingt Papa erzählen“-, schon zum Handy griff und dann kam der Kloß. Ach nein… Und dann hab ich von jetzt auf gleich vor mich hergewimmert.
Der „Himmelfahrt“-Moment bei meinem Vater, der kam ziemlich genau ein Jahr später. An seinem Todestag. Ich konnte nicht an seinem Grab sein, weil ich in einer Klinik war. Und das hatte mich ziemlich mitgenommen. Das Trauer-Unterhemd kratzte um Papas Todestag fast unerträglich. Aber: Was sollte ich machen? In dieser Klinik, einer psychosomatischen, bin ich jeden Morgen durch den Wald zu einer Lichtung an ein Feld gegangen, um möglichst die Sonne beim Aufgehen zu sehen. Und so hatte ich das auch an Papas Todestag gemacht. Und was soll ich sagen? Es klingt so kitschig: Wie ich so auf das Feld schaue, schießen zwei Rehe aus dem Wald. Eines der Rehe schaut mich direkt an. Ziemlich lang. Dann macht es eine Kopfbewegung und hüpft zurück in den Wald. Und ich fühle in dem Moment irgendwie ganz stark, dass mein Vater mir durch dieses Reh noch mal in die Augen schaut – um dann zu verschwinden. Himmelfahrt.
Sie können jetzt vielleicht sagen: Der Nelissen hatte nicht alle Tassen im Schrank. Ich bin mir natürlich auch im Klaren darüber, dass mein Vater nicht durchs Reh guckt. Aber unser Gehirn braucht vielleicht manchmal so einen Marker, wie einen Augenkontakt mit der Natur – und unsere Seele braucht das manchmal auch. Jedenfalls war meine Trauer in diesem Moment weggehüpft. Irgendwie hatte ich da das sichere Gefühl: Papa geht es gut. Es ist gut, wie es ist. Papas Präsenz hatte sich gewandelt.
Und jetzt zum heutigen kirchlichen Feiertag: Christi Himmelfahrt ist quasi das Sechswochenamt nach Karfreitag. Nur, dass die Christen ja glauben, dass Jesus nach seinem Tod auferstanden ist. Und die Bibel berichtet, wie der Auferstandene in den ersten sechs Wochen noch mal seinen Jüngerinnen und Jüngern nah ist – nicht unangenehm wie ein kratziges Unterhemd, sondern eher als Bestärkung. Und dann: ist Jesus weg. Ich würde sagen: Seine Präsenz, seine Anwesenheit wandelt sich.
Christi Himmelfahrt macht Ostern quasi komplett, weil sich Anwesenheit wandelt. Und: Dass sich was wandelt – auch in der Trauer – das ist wichtig. Auch, damit Neues kommen kann. Daher: Feiern Sie das Wandeln heute doch ein bisschen mit: Auf einer Vatertagstour, bei einem Spaziergang in der Natur, oder in einem Gottesdienst – samt Wandlung.
