Beiträge auf: wdr4
Kirche in WDR 4 | 20.06.2026 | 08:55 Uhr
Kinoverkündigung
Was, wenn ein Mensch stirbt? Dann steht die Zeit kurz still. Besonders, wenn es ein naher Mensch war. In dem Film, der seit dieser Woche im Kino läuft, ist es die eigene Mutter. Aber für Stille, Trauer und Reflexion bleibt nach einem Tod oft keine Zeit. Da ist erstmal ganz viel zu Organisieren. Das trifft nun auch Lore: Ihre Mutter ist tot und sie wieder in der rheinischen Heimat. Dort trifft sie aber nicht auf Unterstützung, sondern auf Ressentiments.
„Meine Mama möchte eingeäschert und verstreut werden. - Ne und was sage ich den Leuten? - Verbrannt, ja also ich finde das ja menschenunwürdig. - Das war mir wieder klar, dass deine Mutter eine Extrawurst will.“
Diese erste Phase der Trauer portraitiert der Film "Sechswochenamt". Er zeichnet Trauer nach, in allen Phasen: Vom Tod eines Menschen bis zur Messe sechs Wochen danach. Für Lore wie für viele Angehörige ist das eine Zeit zwischen tiefer Traurigkeit und Überforderung: Denn es wartet viel Bürokratie. Und der Rest der Welt nimmt auf sie oft keine Rücksicht. Das merkt auch Lore.
„Hier kannst du nicht parken, das ist ein Behindertenparkplatz. Hast du in der Fahrschule nicht richtig aufgepasst? - Danke.“
Sie will sich ihre ganz persönliche Trauer nicht nehmen lassen. Dagegen stehen die Vorstellungen und Erwartungen der anderen. Es ist ein Kipppunkt: Erst jetzt zeigt sich, auf wen man sich wirklich verlassen kann – und wer lieber auf Abstand bleibt. Warum auch immer.
„Du könntest mal deinen Hintern hierher bewegen und mir helfen - Du hast doch alles im Griff. - Ich brauch dich hier.“
Zwischendurch muss da auch mal einfach alles raus:
„Sag mal, geht's noch? Machen hier eigentlich alle nur noch das, was sie wollen?“
Es gibt diese Phasen immer wieder – und sie kommen oft genug dann, wenn man am wenigsten darauf vorbereitet ist: Zeiten der Prüfung. Krisenzeiten: Wie stark bin ich dann? Wie eng sind die familiären Bande eigentlich wirklich? Und überhaupt: Wie sehr funktioniert mein Leben? Die Antwort lautet gar nicht selten: Weniger gut als gedacht. Wir sind fragil. Das ganze Leben steht auf tönernen Füßen, auf die besser nicht zu viel Gewicht gelegt wird. Familie, Nachbarn, Freunde – sie alle werden durch den Status Quo einigermaßen zusammengehalten. Nicht jede Beziehung wird die Belastungsprobe überstehen. So ein bisschen dämmert es einem manchmal, wenn mal nicht alles glatt läuft: Würde dieser Mensch am Ende zu mir stehen? Würde ich eine Herausforderung gerade meistern können? Oder wäre ich das schwache Glied, an dem die Kette reißt? Diese Fragen können gnädiger machen, wenn die anderen mal nicht mitspielen, ihren eigenen Kopf haben. Oder den Blick klarer machen, wer wirklich wichtig ist. Am Ende bleibt aber vor allem die Hoffnung, dass solcher Prüfungen selten bleiben und nicht zu hart werden.
