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So auf Erden
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Kirche in WDR 2 | 19.08.2026 | 05:55 Uhr

So auf Erden

Seit dem furchtbaren Unglück im Freundeskreis bleibt mir der Satz im Vaterunser: „Dein Wille geschehe!“ im Hals stecken. Nein, ich bin nicht einverstanden! Ich kann auch nicht akzeptieren, was geschehen ist. Angesichts eines viel zu frühen Todes ist mir die alte Frage näher: Warum? Wenn so dein Wille aussieht, Gott – was soll das?!


Kann der Wille Gottes furchtbares Leid miteinschließen, vielleicht sogar beabsichtigen? Mal abgesehen davon, dass das niemand weiß - ich kann und will es auch nicht glauben. Ich habe ein anderes Bild von Gott.


Im Alten Testament haben Menschen tief über die Erfahrung von Leid nachgedacht und versucht, Gott darin zu verstehen bzw. ihn zu finden. Bestraft Gott uns mit Unglück und Leid, damit wir in die richtige Spur kommen? Solche Vorstellungen gibt es im Judentum, im Christentum genauso wie im Islam. Bis heute. Was aber, wenn das Unglück gar nicht sein Wille ist?


Bei seiner brutalen Hinrichtung schrie Jesus: „Warum hast Du mich verlassen?“ Im Todeskampf ist er allein. Gott abwesend gerade da, wo ich ihn brauche? Die Erfahrung absoluter Sinnlosigkeit hat Menschen auf die Idee gebracht, dass Gott tot sein muss. Oder hilflos vielleicht. Der Allmächtige ohnmächtig.


So gottverlassen, wie sich Jesus bei seiner Hinrichtung gefühlt hat, so gottverlassen hilflos können wir uns auch fühlen. Angesichts der aktuellen Krisen- und Kriegsgebiete mag das so sein, genauso wie bei schwerer Krankheit oder dem Verlust eines geliebten Menschen. Manchmal lernt man nach Jahren besser verstehen. Oft gelingt es aber auch nie, dem Leben oder Gott eine schlimme Erfahrung zu verzeihen.


Vor ein paar Tagen habe ich für mich eine Entdeckung gemacht. Ich möchte sie noch besser verstehen lernen: Die Bitte „Dein Wille geschehe“ stimmt nur mit dem Zusatz „wie im Himmel, so auf Erden.“ Wenn eins klar ist - übrigens in allen Religionen - dann, dass es im Himmel keinen Krieg, keinen Hunger, kein Leid, keine Gottverlassenheit mehr gibt. Wenn also das Gebet, das uns Jesus geschenkt hat, die Perspektive öffnet, auf Erden so leben zu können und zu sollen wie im Himmel, dann kann Gott nicht der Verursacher unseres Leids sein. Im Gegenteil: Dann ist er mit unserer Verzweiflung identifiziert. Möglicherweise genauso ausgeliefert wie wir. So nah wie sonst nie und niemand. So nah, wie sonst nur, wenn wir geliebt werden und zugleich lieben können. Das erlebe ich als tröstend.



Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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