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Hörmal | 31.05.2026 | 07:45 Uhr
Lösungsorientiert
„Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen“. Den Satz haue ich gerne mal raus, wenn bei einem Projekt das Bedenken-Karussell in Schwung kommt.
Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen: Auch wenn mein eigenes Leben weit davon entfernt ist, problemfrei zu sein: Ich mag das, immer nach den Lösungen zu suchen.
Allein das Wort ist doch toll. Denn die Lösung hat ja was zu tun mit Aufdröseln. Ich denke da immer gleich an so ein verheddertes Knäuel. Wenn Mama mir damals mal wieder einen Pullunder gestrickt hatte und ich beim Sesamstrassen-Gucken mit ihrer Wolle gespielt hatte. Und ich mich dann mit ihr „in die Wolle“ bekommen hab‘ ob meines Garn-Chaos. Weil sie das alles entheddern musste. Aber Mama fand immer ‘ne Lösung. Und zwar nicht, dass sie die Knäuel mit der Schere durchgeschnitten hätte, nein: Sie hatte mit Geduld die Fäden sortiert und die Knoten gelöst. Und jetzt bin ich schon bei der Frau, warum ich das mit den Lösungen auch noch so mag. Und diese Frau ist nicht meine Mutter. Das ist Maria. Der Mai ist katholischerseits der „Marienmonat“. Der geht heute zu Ende. Im Mai werden weltweit unzählige Marienbilder gezeigt, geschmückt und verehrt. Die meisten finde ich - zugegeben - seeehr kitschig. Aber eine Mariendarstellung gibt es, bei der war ich gleich schockverliebt, als ich sie sah: Maria, die Knotenlöserin.
Das ist ein Altarbild in einer Kirche in Augsburg. Darauf ist Maria zu sehen, umgeben von Engeln, und sie entheddert ein Knäuel; genauer: sie löst Knoten. Richtig bekannt wurde Maria, die Knotenlöserin, durch Papst Franziskus. Der war nämlich großer Fan und hat das Bildchen aus Augsburg fleißig in Lateinamerika verteilt. Weshalb man die Knotenlöserin häufiger da findet als hierzulande.
Jetzt will ich hier gar nicht so sehr männliche und weibliche Lösungsstrategien gegeneinander ausspielen. Ich bin ja nicht Mario Barth. Aber es gibt eben schon gewisse „Hau-Ruck“-Mentalitäten, gerne versehen mit einem „Basta“- oder meinetwegen auch mit einem „Chakka“-Ruf. Und dann gibt’s diese bewundernswerte Beharrlichkeit, die weder Fäden kappt noch Beziehungen, die still und gründlich der Spur folgt und dann genau weiß, wo gezielt anzufassen ist, bis der Knoten gelöst ist.
Damit ein Knoten sich löst, ist es nie die beste Idee, möglichst fest an ihm zu ziehen – vor allem nicht an beiden Enden. Knotenlösen braucht die richtigen Punkte der Entspannung. Wenn erst einmal der Druck raus ist, kommt die Lösung meist von selbst.
Und was für den Knoten in der Wolle gilt, das gilt auch bei den Herausforderungen im Leben – Druck hilft meist nicht. Sondern Entspannt-Sein. Und: Beharrlichkeit, damit sich was ändert. Damit es zu einer Lösung kommt. Maria, die Knotenlöserin, ist die Fürsprecherin für all die Verhedderten da draußen. Denn: Gerade wenn sich die Probleme ballen, will ich beharrlicher daran glauben, dass es Lösungen gibt. In diesem Sinne bin ich: Lösungs-orientiert.
